Station 2 – wer in Not hilft

zwischen Apotheke und Ärztehaus, Steinweg

Ankommen

– Wo sind wir hier? – Ort mit Ärzten und Apotheke = Menschen, von denen wir Hilfe erwarten

– Hier ist eine Geschichte Thema, bei der jemand verletzt und dann versorgt wird. Jesus erzählt die Geschichte auf die Frage hin, wer einem der Nächste ist. Den Begriff „Nächster“ habt ihr vielleicht schon mal gehört – „Nächstenliebe“ ist sicher geläufig. Wer ist euer Nächster? Was denkt ihr? –

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Nachlesen

aus Lukas 10,25-37

25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« 28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. 29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen. 31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. 36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

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Weiterdenken

Habt ihr so etwas schon einmal selbst erlebt?

Vielleicht mit dem Fahrrad stürzen und verletzt am Straßenrand liegen und niemand kommt und hilft? –  Eigene Erfahrungen erzählen lassen.

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Das Gleichnis passt in die damalige Zeit. Um es ganz zu verstehen, muss man wissen, dass die Juden, zu denen auch Jesus gehörte, und die Samariter verfeindet waren. Wir neigen heute dazu, uns mit dem Samariter zu identifizieren. Dank der Erzählung von Jesus ist ein „Samariter“ heutzutage jemand, der uneigennützig anderen hilft. Aber das hätten die Leute damals weit von sich geschoben. Der Mensch, der überfallen wird, sind wir selbst! Die beiden Priester, die tatenlos vorbeigehen, sind Leute, die als gottesfürchtig und rechtschaffen galten. Der Samariter damals ist ein verschmähter Außenseiter, der die falschen Lehren verbreitet.

Wir müssen uns also fragen: Wer würde die Rolle des Samariters einnehmen, wenn Jesus uns heute die Geschichte erzählen würde. Wer ist heute bei uns ein unverstandener, verlachter Außenseiter? Sind es die Menschen mit anderer Hautfarbe? Sind es Schwule und Lesben? Sind es die Muslime? Oder ganz allgemein die Dummen und Armen?

Wenn wir die Geschichte mit so einer Person erzählen, wird erst deutlich, wie unerwartet und provokativ sie für die Menschen damals war. Wen setzen wir also ein?

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Lest die biblische Geschichte noch einmal. Setzt dabei für den Levit „Arzt“ ein und für den Samariter die Person, die euch eben eingefallen ist.

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Am Mainufer

Es ist ganz früh an diesem Mittwoch. Die ersten Sonnenstrahlen haben den Tau auf den Gräsern noch nicht erreicht. Am Mainufer weht es angenehm frisch. Dort auf der Bank sitzt jemand. Nein, sitzen ist zuviel gesagt. Die Person hängt schief über der Lehne. Die Knie wackeln hin und hier. Die Haare sind verfilzt und hängen strähnig ins Gesicht. Ob Mann oder Frau, das kann man nicht erkennen. Dafür umso deutlicher, dass es wohl jemand Abgestürztes ist. So wie die Augen rollen. Sicher drogenabhängig, mindestens Alkohol. Wer weiß, was alles die letzte Nacht passiert ist.

Jetzt knirscht der Kies auf dem Weg. Ein Fahrrad rollt zwischen Mainwasser und Gras mit Tautropfen heran. Es ist ein ganz leichtes Rad. Gute Bremsen, teure Gangschaltung. Das erkennt man deutlich. Was man nicht sehen kann, sind die Gedanken des Fahrers. Er dreht den Kopf zur Person auf der Bank, dann wieder Blick nach vorne. Und rollt weiter. Nur der Kies knirscht, sonst klappert nichts an dem Rad. Die Sonne steigt etwas höher.

Jetzt knackt ein Ast, Laub wirbelt auf. Ein großer Hund tobt über die Wiese. Ein Ruf holt ihn von der Person auf der Bank zurück. Dann sieht man den Besitzer. Ein ganz schwungvoller Gang, dazu ein fröhliches Pfeifen. Der Hund schnuppert noch einmal an der Bank, dann wird er am Halsband weitergezerrt. Das Pfeifen ist verstummt. Den Ekel im Blick erkennt man sofort.

Jetzt ist es wieder still. Die Sonne steigt höher. Von Ferne die Geräusche der Stadt. Sonst nichts. Die Person auf der Bank stöhnt. Was ist? Kommt nicht noch jemand? Wo bleibt der Barmherzige?

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Beten

Jesus Christus, damals hast du den Menschen diese Geschichte erzählt. Wir heute wollen sie uns auch sagen lassen. In jedem von uns steckt der Wunsch, das Richtige zu tun. Und das ohne großes Nachdenken und vor allem, ohne darauf zu achten, welche Art Mensch derjenige ist, der unsere Hilfe braucht. Hilf du uns, Wege zu finden, die uns zu unseren Nächsten führen. Hilf uns, ohne Zögern mit anzupacken, wenn ein verletzter Mensch am Boden liegt. Hilf du uns, zu den einsamen Nachbarn zu gehen, mit Zeit und einem offenen Ohr. Hilf uns, dass wir uns immer wieder einsetzen für die schwächeren Menschen. Wir wollen die Ungerechtigkeiten zwischen uns Menschen deutlich benennen und gegen sie vorgehen. Jesus Christus, mach du uns alle zu hilfsbereiten Menschen. Amen.

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Singen

aus dem Evangelischen Gesangbuch, Nr. 629 “Liebe ist nicht nur ein Wort”

Nr. 631 “In Gottes Namen”

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Mitnehmen

Geht in die Apotheke und kauft ein Päckchen Pflaster, die ihr in der Gruppe verteilt. Steckt sie in eure Rucksäcke oder Handtaschen für die nächste Gelegenheit. Diese Pflaster dürft ihr nur für andere Menschen, nicht für euch selbst, verwenden!

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