Station 8 – heil werden

Spielplatz Kastanienstraße

Ankommen

Warum sind wir hier?

  • Hier ist es so still, aber gleich ums Eck ist das Ringcenter – ein großes Einkaufszentrum hier in Langenselbold. Jeden Tag herrscht dort Geschäftigkeit und Trubel. Jeden Tag bis auf Sonntags.
  • Was machst du gerne am Sonntag? —
  • Oder andersherum gefragt: Was tust du am Sonntag gerade nicht? Was ist wichtig zu tun? Was ist wichtig nicht zu tun? —
  • Warum ist der Sonntag „frei“? —

 

Den Sonntag „frei zu machen“, ist eine jüdische Tradition. Bei den Juden heißt der Sonntag „Sabbat“. Nach unserer Wochenrechnung eigentlich der Samstag.

Nachlesen

Lukasevangelium 13,10-17

Als Jesus einmal am Sabbat in einer der Synagogen lehrte,war dort eine Frau. Seit achtzehn Jahren wurde sie von einem Geist geplagt, der sie krank machte. Sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr gerade aufrichten.

Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte zu ihr: »Frau, du bist von deiner Krankheit befreit!« Und er legte ihr die Hände auf. Sofort richtete sie sich auf und lobte Gott.

Aber der Leiter der Synagoge ärgerte sich darüber, dass Jesus die Frau an einem Sabbat heilte. Deshalb sagte er zu der Volksmenge: »Es gibt sechs Tage, die zum Arbeiten da sind. Also kommt an einem dieser Tage, um euch heilen zu lassen – und nicht am Sabbat!«

Doch der Herr sagte zu ihm: »Ihr Scheinheiligen! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Futterkrippe los und führt ihn zur Tränke? Aber diese Frau hier, die doch eine Tochter Abrahams ist, hielt der Satan gefesselt – volle achtzehn Jahre lang! Und sie darf am Sabbat nicht von dieser Fessel befreit werden?« 

Als Jesus das sagte, schämten sich alle seine Gegner. Doch die ganze Volksmenge freute sich über die wunderbaren Taten, die Jesus vollbrachte.

Fragen

Wie geht es der Frau? Was geht in ihr vor?

Über was ärgert sich der Vorsteher in der Synagoge?

Über was freut sich die Volksmenge?

Sollten alle Geschäfte am Sonntag öffnen? Was spricht dafür, was spricht dagegen?

Zur Zeit dürfen hier in Deutschland nur bestimmte Geschäfte und Einrichtungen öffnen (z.B. Kino, Zoo, Freizeitangebote, Tankstellen, …). Und was ist mit den Berufsgruppen, die auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen (z.B. Polizist*innen, Rettungssanitäter*innen, Krankenhauspersonal, …)? – Diskussion

Können Sie einen Bezug zur Erzählung aus der Bibel herstellen? –

Erklären

Das Verhalten Jesu macht in dieser Erzählung deutlich, dass Gott nicht auf die Einhaltung von Vorschriften schaut. Alle Arbeit darf am Sonntag ruhen. Nur, wenn es um den Dienst am Nächsten geht, geht der immer vor!

Das Gebot der Nächstenliebe ist damit wichtiger als das Gebot, den Sonntag zu heiligen. Heilung ist wichtiger als Heiligung!

Der Dienst am Nächsten ist der wichtigste Dienst an Gott.

Sie kennen die Abwägung: „Arbeiten, um zu Leben oder Leben, um zu Arbeiten.“  Was steckt dahinter?

Jesus würde nach der Erzählung aus dem Lukasevangelium sagen: „Arbeiten, um Leben zu ermöglichen, ist am Sonntag erlaubt, ja, sogar gewünscht.“

Gedicht

Sonntag

Sonntag – häng den pelz in den spind

Sonntag – wärmer weht heut der wind

Alle blumen blüh´n und es ist frühling da

Und rund um uns ist es nun soweit

Schau nur, es blüht auf jeder wiese

Es blüht auf jedem kleid

Du siehst es ist zeit

Sonntag – es fällt nie wieder schnee

Es fallen blüten, fallen ins dekolleté

Alle leute sind froh

Und das ist nicht immer so

Alles liebt und alles lebt

Schau wie der wind die dünnen kleider

An schöne beine klebt

Du spürst, wie das hebt

Manfred Krug

Beten

Lobe Gott, meine Seele!

Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich; du baust deine Gemächer über den Wassern. Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und kommst daher auf den Fittichen des Windes, du machst Winde zu deinen Boten und Feuerflammen zu deinen Dienern.

Du lässt Wasser in den Tälern quellen, dass sie zwischen den Bergen dahinfließen, dass alle Tiere des Feldes trinken und das Wild seinen Durst lösche. Darüber sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen.

Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, dass der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke.

Gott, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Amen.

nach Psalm 104

Singen

Aus dem Evangelischen Gesangbuch:

411 Hilf Herr meines Lebens
432 Gott gab uns Atem
629 Liebe ist nicht nur ein Wort
631 In Gottes Namen

Mitnehmen

Überlegen Sie mal, mit was und mit welchen Menschen Sie in der letzten Woche Ihre Zeit zugebracht haben!

Und nun überlegen Sie, mit welchem Menschen Sie am nächsten Sonntag gerne Zeit verbringen möchten!

Schreiben Sie diese Person auf, und auch, was Sie mit ihr unternehmen möchten! – Zettel verteilen!

Nachlesen II

  1. Mose 5, 12-15

Du sollst den Sabbat einhalten! Er soll ein heiliger Tag sein!

So hat es der Herr, dein Gott, dir befohlen. Sechs Tage in der Woche darfst du arbeiten und alle deine Tätigkeiten verrichten. Aber der siebte Tag ist ein Ruhetag. Er gehört dem Herrn, deinem Gott.

An diesem Tag darfst du keine Arbeit tun: weder du selbst noch dein Sohn oder deine Tochter, dein Sklave oder deine Sklavin, dein Rind oder dein Esel, auch nicht dein Vieh oder der Fremde in deiner Stadt. Dein Sklave und deine Sklavin sollen genauso wie du ausruhen können. Denk daran: Auch du warst einmal ein Sklave im Land Ägypten. Aber der Herr, dein Gott, hat dich von dort herausgeführt – mit starker Hand und machtvoll ausgestrecktem Arm. Deshalb hat der Herr, dein Gott, dir befohlen, den Sabbat als Ruhetag zu gestalten.

Beten Variante

Gott vom Anfang der Welt, erzähle uns. Heute ist dein Tag, an dem wir überlegen, wie du wohl die Sterne geboren hast in wildem Tanz. Und erzähle uns, Gott, wie du den Menschen ihre silbernen Träume einflüsterst in ihre müden Alltagsgedanken. Erzähle uns, Gott, deine Geschichten ganz neu, vom Suchen und Finden, vom Ernten und Teilen, vom gelobten Land hinter der Zeit. Deine Wahrheit zeichne uns ins zerrissene Herz. Sprich deine Liebe in unsere Einsamkeit, Gott. Und schenke uns deinen luftigen Segen. Amen.

Weiterdenken

Was man nur sonntags tun kann …

Frühmorgens nur mit Männern in der Bäckerschlange stehen – sich fein Rausputzen und in die Matinee gehen – kurz vor zehn Uhr einem Glockengeläut entgegen gehen – bei helllichtem Tag in der leeren Straßenbahn fahren – nach dem Mittagessen schlafen – Buttercremetorte essen – … was noch? —

Ausruhen statt Profit! Gottes Schöpfung genießen!

Information

Bei den jüdischen Geschwistern ist der Sabbat heilig. In Israel ist der Sabbat der Samstag. Man soll (man darf) an diesem Tag nicht in den Lauf der Dinge eingreifen. Alle „kreativen“ Tätigkeiten sind untersagt, demnach Tätigkeiten, die etwas Neues oder eine neue Situation erschaffen, die vorher noch nicht existierte. – Den Knopf im Fahrstuhl drücken, die Kaffeemaschine einschalten, Brot backen, Nähen, Schreiben, ein Haus bauen, etc.

Erklären

Wie wird nach diesem Text die Sonntagsruhe begründet?

Gott hat uns zu freien Menschen gemacht. Der siebte Tag der Woche soll uns daran erinnern. Wir dürfen nachdenken über unser Leben, wir dürfen andere Menschen treffen, wir dürfen unserem Hobby nachgehen ohne auf die Uhr zu sehen. Wir dürfen unseren Dank an Gott richten. Wir dürfen uns Zeit nehmen für uns!

Der Verweis auf den Wochenrhythmus erinnert uns auch an die Schöpfungsgeschichte am Anfang der Bibel. Gott erschafft in sechs Tagen Himmel und Erde und am siebten Tag ruht er aus und sieht auf alles, was er gemacht hat und erkennt, dass es so gut ist.

Genau das können wir am Sonntag auch tun: Zurückblicken auf die Woche, ausruhen und uns an dem freuen, was gelungen und gut ist!

Aus dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland:

Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt.

Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Die Freiheit der Person ist unverletzlich.

Alle Menschen sind gleich.

Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Die Freiheit des Glaubens und Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten.

Alle Deutschen haben das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln.

Der Sonntag ist als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.

Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgesellschaften zur Vorname religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist.

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