Alles, was ihr tut, geschehe in der Liebe. 1.Kor 16,14

Liebe Leserinnen und Leser,
Zum Lieben braucht es nicht nur ein Herz, es braucht auch Hände – oder anderes, mit dem man anpacken kann. So kann man die Jahreslosung für das kommende Jahr verstehen, denn da geht es konkret um das, was wir tun. Genauer gesagt, um alles, was wir tun. Also nicht nur große Töne spucken oder blumige Versprechungen machen, sondern auch so handeln. – Das lässt sich leichter Hand unterschreiben. Von anderen erwarten wir das auf jeden Fall. Aber bei Lichte betrachtet gibt es gute Vorsätze fürs neue Jahr, die leichter umzusetzen sind.

Eine andere Lesart funktioniert auch – nämlich dann, wenn man nicht das “tun” in Großbuchstaben schreibt, sondern das “geschehe”. Die Liebe soll alles, was wir tun, tragen, soll es erfüllen, soll es segnen. Dann braucht es zum Lieben nicht nur Herz und Hände, sondern auch noch etwas, das von außen dazu kommt. Wer liebt, erlebt sich ganz ergriffen von dieser Liebe. Er oder sie kann nämlich gar nicht anders, als an den Geliebten zu denken, als Zeit mit der Geliebten verbringen zu wollen, sich um das geliebte Kind zu kümmern. Wir suchen uns nicht aus, wen wir lieben – und wenn wir doch beschließen: “Ach, dann löse ich mich jetzt aus dieser oder jenen Beziehung, die mir nicht nur gut tut”, dann fragen manche: “War das denn eigentlich (zum Schluss) noch Liebe?”

Paulus beendet mit diesem Satz den ersten Brief an die Gemeinde in Korinth – und beide Arten, den zu verstehen, passen hier. “Liebe Korinther, weise Worte und kluge Reden helfen nicht einmal dabei, das Kreuz Jesu zu verstehen, setzt stattdessen lieber auf die Liebe” – etliche Passagen des Briefes tragen diesen Ton. Aber auch die Macht der Liebe malt Paulus in den schillerndsten Farben; die ist größer als alles, was Paulus sich vorstellen kann, er stellt sie sogar dem Glauben und der Hoffnung voran.
Wir denken nicht, dass Sie sich zwischen den beiden Lesarten entscheiden müssen, aber womöglich leuchtet Ihnen die eine oder andere spontan eher ein. Menschen sprechen ja verschiedene Sprachen, wenn sie lieben. Die einen machen Komplimente, die nächsten sorgen und kümmern sich, die einen kaufen im Supermarkt immer extra etwas, was dem Herzensmenschen schmeckt (oder von dem sie denken, es sei gut für ihn), andere wieder sprechen es gerne aus: Ich liebe dich. Manche suchen körperliche Nähe, manche schenken dem anderen Freiheit.

Wie immer, wenn verschiedene Sprachen aufeinandertreffen, sind Missverständnisse vorprogrammiert. Und wie immer lässt sich hier allerhand lernen. Wer mit Herz und Händen liebt, der kann hier Gelassenheit lernen. Ich muss nicht immerzu brillant sein, auch nicht in der Liebe. Wer sich der Liebe als Macht anvertraut, kann hier Mut lernen. Ich bin nicht einfach passiv und ausgeliefert, ich darf auch selbst einen Schritt nach vorn gehen.

Herzliche Grüße und (verzeihen Sie den vertraulichen Gruß)
Alles
was ihr tut, geschehe in der
Liebe
Ihre Pfarrer*innen Maraike Heymann und Tobias Heymann

Wir freuen uns darauf, Sie in einem unserer nächsten Gottesdienste zu begrüßen!
31.12.2023 17h (Gro) 18h (Ndf) “Zehn neun acht” Gottesdienst zum letzten Abend im Alten Jahr
1.1.2024 17h (Gro) “Sekt und Segen” Gottesdienst zur Jahreslosung
7.1.2024 10h (Ndf) “Lebendiges Wasser” Gottesdienst mit Tauferinnerung