Wachenbuchen. Mal lustig und humorvoll, mal ernst und nachdenklich: Seit 25 Jahren bringt das Junge Theater Wachenbuchen die unterschiedlichsten Stücke auf die Bühne und sorgt für besondere Theatermomente im evangelischen Gemeindehaus. Bei der Jubiläumsfeier im September blickten Gemeinde, Schauspielende und Gäste gemeinsam auf eine bewegte Zeit auf und hinter der Bühne zurück.

 

Herzlich begrüßte Pfarrerin Johanna Wehkamp die zahlreichen Gäste, die der Einladung zum Jubiläumsfest gefolgt waren. Sie findet: „Es ist ein Schatz, dass wir dieses Theater in unserer Gemeinde haben. Es ist ein Unikat und etwas ganz Besonderes.“ Eine Einschätzung, der sich auch Bürgermeisterin Monika Böttcher und Landrat Thorsten Stolz anschlossen. „In einer Zeit, in der viele Menschen nur noch digital unterwegs sind, ist es etwas Besonderes, dass Menschen zusammenkommen, sich ein Stück vornehmen, erarbeiten und auf die Bühne bringen“, so Böttcher. Sie betonte die gute Kooperation der Stadt Maintal mit der evangelischen Kirche im Bereich der Jugendarbeit und hob hervor, dass das Junge Theater mit seinen Leitwerten von Respekt und Toleranz auch einen wertvollen gesellschaftlichen Beitrag leiste.

Gelebte Demokratie – auch für Landrat Stolz ein wichtiger Aspekt der Theaterarbeit. Mit seinen Aufführungen rühre das Ensemble aber nicht nur die Herzen der Zuschauer, sondern auch den Verstand, wie er mit Blick auf die Aufführung von „Das Schweigen der Sterne“ ausführte. Und es erfülle eine weitere wichtige Aufgabe: „Das Junge Theater Wachenbuchen ist ein Ort, an dem junge Menschen sich ausprobieren und entwickeln können. Ein Ort, an dem sie über sich hinauswachsen können.“

Wie wichtig diese Arbeit ist, unterstrich auch Dekan Dr. Martin Lückhoff vom Evangelischen Kirchenkreis Hanau: „Evangelische Jugendarbeit hat das Ziel, junge Menschen zu befähigen, die Hindernisse des Alltags zu bewältigen und sich zu selbstbewussten Individuen zu entwickeln.“ Er dankte Christoph Goy, der als Jugendarbeiter und Theaterpädagoge das Junge Theater Wachenbuchen mit viel Herzblut leitet und zeitgleich mit dem Theater sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern konnte. Goy und dem Theater wünschte er Kraft und Gottes Segen, um auch weiterhin einen unverzichtbaren Beitrag zur Jugendarbeit des Kirchenkreises zu leisten.

Wie wertvoll diese Arbeit ist, unterstrichen fünf aktive Mitglieder des Jungen Theaters. Mit ganz persönlichen Geschichten machten sie deutlich, dass das Junge Theater für sie viel mehr ist als nur ein Hobby. Die 18-jährige Johanna Costa berichtete von ihren Anfängen im Theater und der bereichernden Gemeinschaft über alle Altersgrenzen hinweg. Sie ist überzeugt: „Die Jugend braucht das Theater und das Theater braucht die Jugend.“ Samuel Kremhöller freute sich, dass es gelungen sei, neben dem Theater auch einen neuen queeren Jugendtreff ins Leben zu rufen. Für Ghassan Reda, der vor sieben Jahren als Flüchtling nach Deutschland kam, hat das Junge Theater eine ganz besondere Rolle gespielt: „Ihr habt mich aufgenommen, mir das Gefühl gegeben, dass ich dazu gehöre und mir geholfen, hier ein Zuhause zu finden“, berichtet er und bedankte sich besonders bei Goy für seine Unterstützung auf diesem Weg. Auch Benedikt Scheu kennt dieses Gefühl: Mit seiner Behinderung habe er ein Leben lang mit Ausgrenzung und Ablehnung zu tun gehabt. Im Jungen Theater sei er gleich aufgenommen worden, so, wie er sei. „Im Theater sind wir eine Familie. Es zählt nicht, woher du kommst, oder wie du bist.“ Das unterstrich auch die 74-jährige Claudia Selzer: „Das gemeinsame Ziel macht die Unterschiede unwichtig.“ Nur gemeinsam entstehe eine gute Aufführung.

Dafür braucht es immer wieder auch viel Herz. Oder konkret fünf Herzen, die Goy symbolisch aus alten Kostümen des Theaters ausgeschnitten hatte. Jedes dieser Herzen steht für einen Aspekt dessen, was das Junge Theater für ihn ausmacht. Ein Herz steht für die Geschichten und die Kraft des Theaters, Gesellschaft verändern zu können. Nicht mit großen Parolen, sondern durch den Perspektivwechsel, den Theater ermöglicht. Das zweite Herz steht für die Menschen, die hier auf und hinter der Bühne aktiv sind und die er begleiten darf. „Manchmal hat ein Gespräch nach der Probe mehr Bedeutung als alles, was auf der Bühne passiert ist“, verrät Goy.

Das dritte Herz steht für die Kreativität, mit der alle dabei sind, das vierte für den Ort des Theaters und den Moment, in dem alle Anwesenden gemeinsam in einer Geschichte sind. Das fünfte Herz schließlich steht dafür, Haltung zu bewahren, neugierig und offen zu bleiben. „Natürlich könnte man nach 25 Jahren sagen: ‚Jetzt weiß man doch, wie es geht.‘“ Aber genau das möchte Goy nicht. „Theater muss ein Experiment bleiben.“

Wer das Junge Theater gerne einmal in Aktion erleben möchte, hat dazu bald wieder Gelegenheit: Vom 16. – 18. Oktober führt das Ensemble als Gastspiel im Olof-Palme-Haus das Stück „Fremdenzimmer“ von Peter Turrini auf. Karten für 7,50 Euro (Schüler) und 15 Euro (Erwachsene) gibt es bereits über die Webseite www.jungestheater-wachenbuchen.de oder an der Tageskasse. Wer das Junge Theater an seinem ursprünglichen Ort in Wachenbuchen erleben will, hat ab dem 30. Oktober mit Patrick Süskinds „Der Kontrabass“ und dem Wachenbücher Weltbühnchen Gelegenheit dazu. Es wird von dem weltberühmten Stück fünf Vorstellungen geben. Auch hier sind die Karten über die Webseite bereits erhältlich.