Der Theologische Literaturkreis trifft sich für einen weiteren Text des vor genau 50 Jahren verstorbenen
Theologen Rudolf Bultmann. Es handelt sich um ein Kapitel aus seinem Buch über Geschichte, in dem er die Frage behandelt, wie Gott in der Geschichte erfahren werden kann. Interessierte können den Text bei lukas.ohly@ekkw.de anfragen.
Der Literaturkreis trifft sich am Montag, 28. September, ab 19.30 Uhr im Windecker Gemeindehaus, Eugen-Kaiser-Straße 35.
Bultmann fragte sich zeitlebens, wie Menschen Gott verstehen können. Insbesondere beschäftigte ihn zeitlebens, wie der moderne Mensch, der sich in einem naturwissenschaftlichen Weltbild orientiert, sich von Gott angesprochen fühlen kann.
Vom naturwissenschaftlichen Weltbild ist auch die Geschichtswissenschaft betroffen. Denn auch die historische Forschung fragt nach Ursachen für Ereignisse, um sie zu erklären. Denn damit stellt sich die Frage, ob die Geschichte eine Einheit hat. Das muss sie haben, wenn ihre Ereignisse erklärbar sind, weil sie sonst ohne
Zusammenhang zueinander stehen würden.
Nun glauben Christen daran, dass sich Gott in der Geschichte offenbart hat. Kann Gott damit durch historische Forschung nachgewiesen werden? Bultmann lehnt diesen Versuch aus methodischen Gründen der Geschichtswissenschaften ab. Dafür entwickelt er einen eigenen Weg, wie die Einheit der Geschichte überhaupt erfahren werden kann, wenn sie noch nicht abgeschlossen ist. Er schlägt vor, dass nicht die Geschichte Gottes Offenbarungen erklärt, sondern umgekehrt, dass erst Gottes Offenbarungen die Einheit der Geschichte bildet.
Der Theologische Literaturkreis ist ein offenes Treffen von theologisch Interessierten, die sich je nach Leseprojekt einbringen. Er wird von dem Ostheimer Pfarrer Lukas Ohly geleitet, der zugleich Hochschuldozent an der Goethe-Universität Frankfurt ist.