Streit, Krisen und Konflikte treten im Leben immer wieder auf. Egal ob im Kleinen oder Großen: Versöhnung eröffnet neue Wege und lässt Gemeinschaft wachsen. Dafür steht auch die Internationale Nagelkreuzgemeinschaft, in die die Evangelische Stadtkirchengemeinde Hanau am vergangenen Sonntag feierlich aufgenommen wurde.

Die internationale Nagelkreuzgemeinschaft ist ein weltweites christliches Netzwerk, das nach dem zweiten Weltkrieg in der englischen Stadt Coventry entstanden ist. Sie setzt sich für Versöhnung, Frieden sowie gegen Gewalt und Unrecht ein und verbindet Gemeinden, die sich für Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher nationaler, kultureller und religiöser Herkunft engagieren. Werte, die auch in der Stadtkirchengemeinde gelebt werden.

Dies betonte auch der stimmungsvolle Gottesdienst, an dem auch Gäste aus anderen Kirchengemeinden, von der Ferhat Unvar Bildungsinitiative sowie der Stadt Hanau teilnahmen. Der Gottesdienst richtete den Blick der Anwesenden nicht nur auf die aktuellen Kriege und Konflikte, sondern ging auch auf die Erfahrungen der Brüder-Grimm-Stadt ein. „Die Nagelkreuzgemeinschaft steht für Versöhnung zwischen denen, zwischen denen es Streit bis hin zu Krieg gab“, erklärt Pfarrer Dr. Werner Kahl. Etwas, wofür es in der deutschen Gesellschaft keine festen Rituale gebe. Anders sei dies auf Samoa. Dort lernte er während seiner Lehrtätigkeit das sogenannte Ifoga-Ritual kennen, das die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Stadtkirchengemeinde im Gottesdienst vorführten. Während der Darbietung wurde der Zerstörung der Kathedrale von Coventry mit zahlreichen Toten und Verletzten, der Zerstörung der Marienkirche bei der Bombardierung Hanaus während des zweiten Weltkriegs sowie der Opfer beim rassistischen Anschlag von Hanau am 19. Februar 2020 gedacht. Momente voller Schmerz in der Gesichte der Stadt, wie auch Revd. Canon Kate Massey von der Kathedrale in Coventry feststellte. Doch es gebe auch Momente stillen Mutes und der Hoffnung. „Für Versöhnung in unserer geteilten und gewaltbereiten Welt zu kämpfen, ist nicht einfach“, weiß sie. Der Glaube sei dafür ein wichtiger Anker. Sie freute sich, die Evangelische Stadtkirchengemeinde Hanau in der Nagelkreuzgemeinschaft willkommen zu heißen und überreichte den Mitgliedern des Kirchenvorstandes, Pfarrer Kahl und der geschäftsführenden Pfarrerin der Stadtkirchengemeinde, Kerstin Schröder, gemeinsam mit Pfarrerin Antje Biller von der Deutschen Nagelkreuzgemeinschaft ein Nagelkreuz. Musikalisch wurde der Gottesdienst von Stadtkantorin Johanna Viktoria Winkler sowie dem Vokalensemble Hortus Hibernus untermalt.