Eine Zeitreise durch fünf Jahrhunderte, faszinierende Einblicke in die Glaskunst und eine geheimnisvolle Botschaft zum Entschlüsseln: All das bot der Themenabend zu den historischen Glasmalereien der Marienkirche. Unter dem Titel „Schätze aus Glas“ erhielten die Besucherinnen und Besucher spannende Einblicke in Geschichte, Restaurierung und die neue künstlerische Gestaltung der über 500 Jahre alten Fenster.
Kerstin Schröder, geschäftsführende Pfarrerin der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Hanau, zeigte sich erfreut über das große Interesse an dem Abend in Hanaus ältester erhaltener Kirche. Unter den Gästen waren zahlreiche Ehrengäste ebenso wie viele Spenderinnen, Spender sowie Patinnen und Paten, die die aufwendige Sanierung unterstützt haben. „Wir laden Sie herzlich ein, mit uns auf eine Entdeckungsreise in die Geschichte unserer Fenster zu gehen“, sagte Schröder.
Diese Reise gestalteten mehrere Fachleute. Dr. Uwe Gast vom Corpus Vitrearum Deutschland (CVMA) in Freiburg eröffnete den Abend mit einem Vortrag über den Fensterbestand der Marienkirche im Wandel der Zeit und die Bedeutung der jüngsten Sanierung. Diese war nicht die erste: „Sieben Mal sind die Glasgemälde seit ihrem Einbau um 1492 versetzt und restauriert worden“, berichtete Gast. Anhand historischer Quellen zeigte er, wie sich Anordnung und Erscheinungsbild der Fenster immer wieder verändert haben. Sein Fazit: Die heutige Anordnung mit dem zentralen Motiv des auferstandenen Christus als Gärtner, welches sich auch im Schlussstein des Kreuzrippengewölbes findet, komme der ursprünglichen vermutlich näher als alle vorherigen.
Glasrestauratorin Ulrike Kunert erläuterte anschließend, wie die Glasmalereien durch fachkundige Bearbeitung nicht nur ihre Strahlkraft zurückgewonnen haben. Mit Bildmaterial zeigte sie, wie durch das Entfernen von Kit und Kaltbemalungen frühere Eingriffe korrigiert und die Motive ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder angenähert wurden.
Eine neue Besonderheit stellte Jörn Neumann vom Atelier Lönne und Neumann vor. Gemeinsam mit Michael Neumann entwickelte er das künstlerische Projekt „Puls“: Ein Punkteraster um die historischen Malereien, das sich mit den Lichtverhältnissen verändert und einen verborgenen Text enthält. „Ein Ornament, geheimnisvoll, aber entschlüsselbar“, so der Künstler. Den Code dazu verriet er den Anwesenden gerne und lud ein, es einmal selbst zu versuchen.
Neben den fachlichen Einblicken stand der Abend auch im Zeichen des Dankes. Für alle Spender*innen und Paten*innen gab es Urkunden, die Schröder gemeinsam mit dem Förderkreisvorstand an die Anwesenden überreichte. Gemeinsam mit Pfarrer Horst Rühl, dem Vorsitzenden des Förderkreises Marienkirche 2.0, bedankte sie sich herzlich bei allen, die die Sanierung der Kirche und besonders der Kirchenfenster unterstützt haben. Ob große oder kleine Spende, Patenschaft oder Kollekte: „Jeder Beitrag hat geholfen, dieses Ziel zu erreichen“, betonte Rühl. „Ohne Sie wäre das nicht möglich gewesen – vielen Dank“, fasst Schröder zusammen.