Station 9 – was mit der Zeit wächst

im Feld, Spazierweg an der Gründau

Ankommen

Wenn ihr euch umschaut: Was seht ihr?

Es gibt eine Geschichte, die Jesus erzählt und die mit einem Ackerfeld zu tun hat. Die Körner sind dabei das Wort Gottes. Wir sind der Ackerboden. Ob die Worte in uns wachsen können?

Wir hören das Gleichnis vom Acker und den eingesäten Körnern.

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Nachlesen

aus Markus 4,3-8

3 Jesus sagte zu den Menschen: »Hört mir zu! Seht doch: Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. 4 Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Da kamen die Vögel und pickten sie auf. 5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde gab. Die Körner gingen schnell auf, weil sie nicht tief im Boden lagen. 6 Aber als die Sonne hoch stand, wurden die Pflanzen verbrannt. Sie vertrockneten, weil sie keine tiefen Wurzeln hatten. 7 Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln schossen hoch und erstickten die junge Saat. Deshalb brachten sie keine Frucht. 8 Aber ein anderer Teil fiel auf guten Boden. Sie gingen auf und wuchsen heran und brachten Frucht: Manche Pflanzen brachten dreißig, andere sechzig, andere sogar hundert Körner Frucht.

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Weiterdenken

Geht auf den Acker und bringt etwas mit, das euch auffällt, was mit der Geschichte dieses Ackers zu tun hat …

Was gibt es hier? –

Worin könnte ein Samenkorn wachsen? –

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Gott kommt in den Menschen – wie das Samenkorn auf den Acker: Gottes Zuneigung trifft auf unterschiedliches menschliches Verhalten – wie das Samenkorn auf unterschiedliche Ackerböden fällt.

1.  WEG (V.4): Wie sieht ein harter WEG beim Glauben aus?

Ich stell mir das so vor: Da erfahre ich etwas vom Glauben, z.B. erlebe ich einen Gottesdienst, der mich beeindruckt. Da sehe ich ein Bild, das mich anspricht, z.B. die Darstellung des Hermekrug: ein Mensch hilft einem anderen. Was ich da sehe, geht unter die Haut. Da höre ich ein einen Song: z.B. Gruppe WIND: „Wenn du allein im Regen stehst, dann bin ich für dich da…“ – das ist die Erfahrung von hilfreicher Nähe. Da erlebe ich die Unterstützung durch einen Menschen – das tut mir  gut. Und dann geschieht es: Was mich anspricht, beeindruckt mich tief > aber bei der nächsten Gelegenheit gebe ich meinen Eindruck schon wieder auf: Wie das Korn von einem Vogel aufgepickt wird, so lasse ich mir meine Erfahrung wegnehmen: Wie? z.B.:

– Da macht einer eine bissige Bemerkung: der Song ist doch Kitsch. > Schon lege ich ihn beiseite.

– Da wertet einer mein Gefühl ab: Was findest Du an der Kirche? > Schon kehre ich der Kirche den Rücken.

– Da habe ich einen Menschen getroffen, der mein Freund werden könnte > und bei der Begegnung mit einem zweiten Menschen > habe ich den ersten aus den Augen verloren.

Wo lasse ich mir gute Erfahrungen von anderen wegnehmen?

Es gibt viele „Vögel“, die mir meine Beziehung zu Gott rauben können.

2. FELSEN (V5-6): Wie sieht ein FELSIGER BODEN beim Glauben aus? Ich stell mir das so vor: Ich bin von einer religiösen Erfahrung angetan – doch das Gefühl verliert sich schnell wieder. Ich bin begeistert – und so schnell wie gekommen, ist die Begeisterung wieder weg. Wie gewonnen, so zerronnen. Ein religiöses Strohfeuer! Ein Glauben ohne tiefe Verwurzelung. Ich bin nicht in einer persönlichen Überzeugung verwurzelt. Ich bin „entwurzelt“.

Wo gebe ich gute Erfahrungen mit dem Glauben schnell auf?

Deshalb: Ich achte auf meine tiefen Wurzeln, ich bewahre meine echten religiösen Gefühle! Es gibt viele Möglichkeiten der „Entwurzelung“, die mir meine Beziehung zu Gott rauben können.

3. DISTELN (V7):

Wie sehen DISTELN beim Glauben aus? Ich stell mir das so vor: Ich mache eine gute Erfahrung im Glauben. Ich versuche, nach dem Willen Gottes (seinem Gebot der Liebe) zu leben. Ich engagiere mich in der Gemeinde, ich arbeite in einer Initiative mit. Doch dann melden sich andere und erheben Anspruch auf meine Zeit: Ich muss mich meinem Beruf mehr zuwenden; die Familie fordert mehr Zeit von mir. Und es bieten sich mir andere Interessen an: Sport, Hobby… „Es wächst mir alles über den Kopf“! Und dann: ich vernachlässige die Zeit für mich – meine Zeiten des Innehaltens, des Nachdenkens, des Abstands vom Alltag …

Wo lasse ich mich durch fremde Anforderungen von meinem Glaubensleben abbringen? Es gibt viele „Disteln“, die mir meine Beziehung zu Gott rauben können.

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4. GUTER BODEN (V8):

Wie sieht GUTER BODEN beim Glauben aus? Ich stell mir das so vor: Ich mache Erfahrungen mit dem Glauben. Es sind unterschiedliche Erfahrungen,

– je nach der Gemeinschaft, in der ich groß werde (Familie, Freunde)

– je nach den Menschen, denen ich begegne (Schule, Verein, Lehre)

– je nach meiner eigenen Befindlichkeit, nach meinem Alter, nach meinen Interessen.

So wachse ich heran. – Mal wachse ich in meinem Glauben. – Mal habe ich Zweifel und erlebe Stillstand in mir. Dann frag mich, ob es Gott gibt – oder, warum er manches zulässt – oder warum ich ihn gar nicht spüre … (Ihr braucht nur in euch selbst zu horchen, dann findet ihr genügend eigene Fragen!)

Und dann geht es plötzlich wieder weiter. – Ich gewinne Lebensmut. – Ich erkenne, wie Gott in der Natur wirkt – Ich spüre seine Kraft der Liebe – in der Beziehung zu einem Menschen, den ich mag. – Ich habe Vertrauen in meine eigenen Möglichkeiten (meine Talente). – Ich lasse mich von Rückschlägen im Leben nicht unterkriegen. – Ich spüre eine Verantwortung für mich und für andere, nämlich: Leben lebenswert zu machen…

Und dann kann es geschehen: Wie der Acker am Ende reichlich Ernte bringt, weil der gute Boden „offen“ ist – so kommt Gott in mein Leben, weil ich offen für ihn bin. Wann und wie er kommt, darauf hab ich keinen Einfluss – ich kann mich jedoch offen halten. Vielleicht kommt er gerade dann, wenn ich nichts erwarte:

– Ich gewinne eine Einsicht, wie es in meinem Leben weitergehen kann, – Ich habe Hoffnung für die nächste Zeit. Auf solche Hoffnung zielt Jesus in seinem Gleichnis.

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Beten

Gott, Du siehst mich an Ich werde von Dir angesehen Ich bin bei Dir angesehen Dank sei Dir! Gib mir die Kraft des Weizenkorns in mein Herz dass ich wachse Gib mir die Hoffnung des Weizenkorns dass ich reife und Frucht bringe Gib mir die Hingabe des Weizenkornes dass ich Brot werde für andere Erbarme Dich! In Deine Hände lege ich mein Leben. In Deine Hände lege ich das Leben meiner Nächsten nah und fern. In Deine Hände lege ich das Leben Deiner ganzen Schöpfung. Segne uns!

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Singen

aus dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 166,4 “Mache mich zum guten Lande”

oder Nr. 98 “Korn, das in die Erde fällt”

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Mitnehmen

Vielleicht findest du auf dem Feld ein Samenkorn. Nimm es mit nach Hause und pflanze es ein. Mal sehen, was daraus wächst!

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