Station 6 – Gott passt auf

an der Schafweide, Am Brühl

Ankommen

Seht euch um. Was gibt es hier zu sehen? Welche Farben herrschen hier vor? –

Wir haben eine grüne Wiese im Blick. Riecht ihr die Feuchtigkeit? Hört ihr die Schafe blöken? Sie sind hinter den Häusern im Stall/ vor euch auf der Wiese. In guter Geborgenheit. Aber ich merke gerade, es sind gar nicht alle da. Nein, wirklich, ein Schaf fehlt!

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Nachlesen

aus Lukas 15,3-7

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: 4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet? 5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. 6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. 7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

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Weiterdenken

Jesus erzählt diese Geschichte vom verlorenen Schaf. Es ist ein Gleichnis, das heißt ein Sinnbild für eine bestimmte Erfahrung. Die Situation ist übertragbar, die Gefühle sind ähnlich.

Überlegt mal, wann habt ihr euch schon mal von einem anderen Menschen entfernt? Von der Familie, von einem guten Freund oder …?

Vielleicht denkt ihr an einen Streit, wo der Kontakt danach abgebrochen ist. Oder es fällt euch jemand ein, der in seinem Leben den falschen Weg eingeschlagen hat. – Austausch!

Wenn wir uns von Gott entfernen, fühlt es sich an, als wären wir ein hilfloses und dummes Schaf in der Wüste. Ein Schaf, das sich verlaufen hat, das den Weg nicht mehr weiß. In Zeiten mit Navigationsgeräten und Handy ist das vielleicht eine seltene Erfahrung – sich zu verlaufen. Aber im übertragenen Sinn kommt es umso öfter vor. Menschen fragen sich: Wo geht der gute Weg lang? Was zählt in meinem Leben? Was trägt mich? – Austausch!

Bei solchen Fragen werden viele Menschen unsicher und wissen keine sichere Richtung. Das Gleichnis von Jesus sagt uns, dass Gott selbst sich dann auf die Suche macht. Jeden und jede Einzelne vermisst er und lässt alle anderen zurück, um diesen Menschen zu suchen. Gott geht bis in ferne Wüsten, bis er uns findet. Bis er uns wieder nahe kommt. Und dann ist die Freude groß. Es gibt ein tolles Fest.

Darauf zu vertrauen, sich in dieses Wissen fallen zu lassen, das fällt uns Selbstgestaltern nicht immer leicht. Aber wir dürfen uns umsorgen lassen, wir dürfen uns finden lassen. Wir dürfen auch mal ein dummes Schaf sein.

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Gott und Schaf im inneren Zwiegespräch

Gott: Ach, du meine Güte, wo ist jetzt das Schäfchen nur hingekommen? Vorhin habe ich noch durchgezählt. Jetzt ist mir der kleine Neugier doch wieder entwischt. Also gut. Schön. Die anderen sind im Stall gut untergebracht. Da werde ich jetzt mal losziehen, um es zu suchen. – Wo mag es nur hingelaufen sein? Ach, ich mache mir Sorgen. Hätte ich nur besser aufgepasst!

Schaf: Mäh, endlich bin ich frei! Jetzt renne ich mal hier diesen Hang hinauf. Oh ja, und keiner sagt mir, dass ich es lassen soll. Immer tun, was alle tun, das kann ich nun mal nicht leiden. Ich will meine eigenen Wege gehen. Oh, hat man hier einen weiten Blick. Da laufe ich jetzt weiter. Juchuuhhh!

G: Schäfchen! Mein kleines Schäfchen, wo bist du? Nach dem langen Tag wird es schnell müde werden. Und wenn es sich nun verletzt hat? Oder wenn es sich der Wolf sich schnappt? Letzte Nacht noch musste ich den verjagen! Der treibt sich bestimmt hier in der Nähe herum. – Schäfchen!!

S: Huh, in dieser Gegend war ich ja noch nie! Das sind ja mächtig hohe und dunkle Felsenberge. Das wird nun abenteuerlich. Ich muss dann nur rechtzeitig wieder umkehren. Vielleicht wird mir das auch zu unheimlich. Aber ich probier´s mal.

G: Oh, mein kleines Schäfchen! Wo bist du nur hingelaufen? Nirgends kann ich dich finden. So weit bin ich nun schon gegangen. Und bald wird es dunkel. Dort drüben zieht schon die Dämmerung heran. Warum bist du nur weggelaufen? Habe ich nicht genügend für dich gesorgt? Ist es dir nicht gut bei mir gegangen? Ach, ich möchte dich wiederfinden!

S: So, nun wird es mir zu düster. Ich kehre um. Irgendwo werde ich eine geschützte Ecke zum Übernachten finden. Ach, hier ist alles so felsig und kahl. Nirgendwo gibt es etwas Gras zum Fressen. Ich habe wirklich Hunger! Na gut, ich habe auch eine schöne Tour gemacht. Aber nun bin ich doch müde. Und kalt ist mir auch. Also los, nicht verzagen, sondern einen Unterschlupf suchen. Vielleicht hätte ich nicht ganz allein gehen sollen. – So, nun, und wo kam ich jetzt nochmal her? War es dieser Weg oder da vorne lang? Von der anderen Seite her sieht das alles so anders aus. Mäh! Hört mich jemand?

G: Habe ich nicht ein leises Mäh gehört? Ich will weiter. Ich muss es einfach finden. Die anderen warten im Stall, die werden sicher sein. Nun ist es fast dunkel. Wo kann es nur sein? Ach, mein liebes Schäfchen, ich habe so Angst um dich!

S: Mäh! Hilfe! Ich weiß nicht mehr weiter! Hier macht das auch keinen Spaß mehr. Ich habe Hunger und mir ist so kalt. Ach, wäre ich doch im Stall geblieben. Huhuh. Ich bin so allein. Hier in der Einsamkeit wird mich ja niemand finden. Jetzt muss ich ganz allein im Dunkeln zwischen diesen schaurigen Felsen die Nacht zubringen. Oh, wenn nun der Wolf kommt? Oh, hilfe, hilfe! Mir zittern alle vier Beine. Ich will nach Hause! Aber wie soll ich jetzt den Weg nur finden? Ich weiß nicht ein noch aus. Und suchen wird mich wohl auch keiner. Wo ich so undankbar weggelaufen bin. Ach, Gott, mein Hirte, ich wünschte ich wäre bei dir geblieben!

G: Schäfchen! Wo bist du? Oh, kann es sein, dort zwischen den Felsen? Bis dorthin ist es gelaufen? Ach, mein Armes! Ich komme! Halt aus, ich komme und hole dich. – Hier habe ich dich gefunden, mein Schäfchen. Mein liebes, Kleines! Kommst du nun wieder mit? Ja? Warum bist du nur soweit weggelaufen? – Ja, ich habe dich natürlich gesucht. Du bist doch mein größter Schatz. Wie hätte ich ruhig schlafen können ohne zu wissen, wo du bist! Ach, mein Kleines, ist ja gut. Jetzt ist alles gut. Ich trage dich nach Hause!

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Beten

Psalm 23

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Ö und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

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Singen

aus dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 619 “Er hält die ganze Welt in seiner Hand”

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Mitnehmen

Den Psalm 23 könnt ihr ausdrucken oder aufschreiben und diese Worte auf allen Wegen mitnehmen. Hängt euch den Text an eine immer gut sichtbare Stelle oder steckt ihn ins Portemonnaie. Mit der Zeit werden die Verse Bedeutung für euch bekommen.

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