Sprengel Hanau-Hersfeld - "Zuhören hat Folgen."

Tageslosung

Fülle uns frühe mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang.
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit allem geistlichen Segen im Himmel durch Christus.

 

 

Bischofskandidatin stellte sich im Kirchenkreis Hanau vor
"Zuhören hat Folgen."
Beate Hofmann predigte in Langenselbold
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Die Kandidatin für das Bischofsamt, Prof. Dr. Beate Hofmann, stellte sich am Palmsonntag in der Langenselbolder Kirche den Gottesdienstbesuchern vor. In ihrer Predigt zu Jesaja machte sie ihre grundlegende Haltung deutlich, die für sie als Christin wie Bischöfin gelte. Nach dem Sonntagsgottesdienst beantwortete die Bewerberin sehr offen die Fragen zu ihrer Person, zur Zukunft der Kirche und zu allen anderen Themen, die den Kirchenmitgliedern auf den Nägeln brannten.

Wem hören Sie zu? Was folgt daraus?

Jetzt steht sie steht oben auf der Kanzel und doch spricht sie auf Augenhöhe mit den Besuchern des Gottesdienstes. Bereits mit der ersten direkten Frage an ihre Zuhörer „Womit beginnt Ihr Tag? Was weckt Ihr Ohr?“ sind alle mitten im Thema, sind alle ‚geweckt‘ und hören zu. Um das Zuhören wird es im Kern der Predigt gehen und welche Folgen sich aus dem Gehörten ergeben. „Hören hat Folgen“, sagt Beate Hofmann. Jesaja, der Propheten, hört auf das Wort Gottes, „es begleitet ihn in seinem Handeln.“

Auch bei Beate Hofmann stehen die Tageslosungen der Herrnhuter ganz oben im Kalender, damit zu Beginn des Tages nicht Aufgaben und Termine, sondern das stünde, was Gott sagen wolle. Manchmal, offenbart sie der Gemeinde, seien ihr die Aussagen fremd, an manchen Tagen aber berührten sie ihr Herz und begleiteten sie den Tag hindurch.

Das Programm für das Amt der Bischöfin

Der Predigttext aus Jesaja könne durchaus als Programm einer Bischöfin gehört werden, sagt Hofmann. Vier Themen erwähnt der Prophet, nämlich: mit offenen Ohren zu hören, mit den Müden zu reden, sie aufzurichten und zu ermutigen, nicht zurückzuweichen, wenn man angefochten wird und zuletzt, auf Gott zu vertrauen und im Glauben unerschütterlich zu sein. „Alle vier Aspekte beschreiben eine Haltung, die zu meinem Verständnis dieses Amtes gehört“, erläutert Beate Hofmann. Die Aussagen des Propheten, die für alle Christen gelten würden, seien der Kern „evangelischen Kircheseins“. Er gelte in hervorgehobener Weise und öffentlich sichtbar für Bischöfe und Bischöfinnen, aber eben nicht allein, sondern jeder trage an seinem Ort etwas bei.

Kirche muss für junge Menschen sichtbar und spürbar werden

Ihre eigene Haltung kommt exemplarisch zum Ausdruck, klar und unmissverständlich: die Sympathie für Greta Thunberg, der jungen Aktivistin und Gründerin der Friday-for-Future-bewegung, beispielsweise oder die Befürwortung des Fastenmottos „Soviel du brauchst!“, das auf die Verantwortung aller Menschen für das Weltklima aufmerksam macht. Deutlich wird in der Predigt auch, dass Beate Hofmann die Herausforderungen, vor denen Kirche steht, annehmen will. „Manchmal geht es nur darum die eigene Bequemlichkeit […] zu überwinden. In anderen Bereichen sind die Fragen komplexer und brauchen intelligente, kreative Lösungen und die Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, mutige Entscheidungen zu treffen und sie auch umsichtig umzusetzen. Hören hat Folgen. Nicht hören hat mindestens so große Folgen.“

Nicht die jungen Menschen müssten in die Kirche geholt werden, sondern Kirche müsse spürbar und sichtbar machen, dass Christen gemeinsam mit ihnen nach Wegen suchten. Für mehr Engagement junger Menschen, auch wenn dies Veränderungen nach sich ziehe, setze sie sich ein, sagt Beate Hofmann.

Kirchenmitglieder stellen Fragen, die ihnen wichtig sind

Nach dem Gottesdienst können die Besucher ihre Fragen auf Karten schreiben und an die Pinwand heften. Die thematisch sehr breit gestreuten Fragen geben Beate Hofmann Gelegenheit, ihre Haltung und auch Aspekte der Predigt zu vertiefen. Hierfür nimmt sie sich viel Zeit. Sehr aufgeschlossen zeigt sich beispielsweise gegenüber neuen Initiativen – sei es die offene Kirche oder Ideen, das Ehrenamt attraktiver zu machen. Sie macht deutlich, dass sie das diakonische Engagement als eine große Stärke der Kirche sieht. Dabei erkennt sie die Sorge der ländlichen Gemeinden, gemeinsam alt zu werden, aber auch dort dürfe niemand im Alter allein bleiben. Mit der Region der Kirche Kurhessen Waldeck verbinden die geborene Bayerin, die jetzt in Bielefeld lebt, persönliche Freundschaften aus Studienzeiten, Patenschaften und sehr viele Tagungen in Hofgeismar. Ganz sicher wird sie – zumindest zu Beginn – sehr viel unterwegs sein, um die spezielle Prägung der Gemeinden kennen zu lernen, um zu hören, was die Menschen beschäftigt und wo die jeweiligen Herausforderungen liegen. „Was wünschen Sie sich?“ steht auf dem letzten Zettel: „Gute Gespräche und gute Ideen. Ich freue mich auf gute Gespräche.“ ist die Antwort der ausgebildeten Gemeindeberaterin.

Die Predigt im Wortlaut finden Sie auf der Seite der Landeskirche www.ekkw.de

Annegret Puttkammer und Beate Hofmann im Videointerview