Sprengel Hanau-Hersfeld - Standards für Ehrenamtliche in der Kirche: „Alle sollen sich beteiligen können!”
Standards für Ehrenamtliche in der Kirche: „Alle sollen sich beteiligen können!”
Freiwilliges Engagement ist kein Selbstläufer, sondern braucht Anerkennung
20052018-ekkw-blick-gudrun-levin-web
percent75

Geld ist sicherlich nicht die Motivation für ehrenamtliches Engagement in der Kirche. Im Gegenteil, es gilt die Unterscheidung: Hauptamtliche werden bezahlt, Ehrenamtliche arbeiten umsonst – ihr Zeiteinsatz wird nicht finanziell entlohnt. Und doch ist freiwilliges Engagement nicht selbstverständlich und verdient Anerkennung. Und es kann nicht sein, dass Freiwillige für ihren Einsatz noch Geld mitbringen müssen, meint Gudrun Levin (63) aus Nidderau-Windecken, die seit 30 Jahren für ihre Kirche aktiv ist.

Denn Ehrenamtlichen entstehen oft Unkosten für Fahrten, Fortbildungen, Arbeitshilfen, Telefonate oder Arbeitsmaterial.
„Eine Erstattung der entstehenden Auslagen sollte selbstverständlich sein”, formuliert deshalb Punkt 3 in den „Standards für die Ehrenamtsarbeit in der EKKW”. 2016 sind die Handlungsempfehlungen der Fachstelle Engagementförderung erstmals erschienen, 2017 gab es eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage. Um die Standards landeskirchenweit auf allen Ebenen zu verankern, arbeitet im Auftrag der Landessynode ein
zwölfköpfiges Gremium an den Formulierungen – Sprecherinnen der AG sind Gudrun Levin und die Kasseler Oberlandeskirchenrätin Dr. Gudrun Neebe. Auf der Herbstsynode 2019 soll eine Vorlage mit konkreten Empfehlungen präsentiert werden.
Zum ersten von insgesamt sieben Grundsätzen unter der Überschrift „Alle gestalten mit” ist in einfacher Sprache festgehalten: „Die Freiwilligen sind genauso wichtig wie die beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beide Gruppen gehören dazu und übernehmen wichtige Aufgaben.” So weit, so gut. Doch in der Praxis, sagt Gudrun Levin, komme es auf die Ausführungsbestimmungen an: „Vieles muss von Ort zu Ort anders definiert werden. Unsere Arbeitsgruppe will dazu konkrete Anregungen geben.” Es geht um Stichworte wie Zeitspende, Inklusion, Fortbildung, Selbstbestimmung und um verlässliche Rahmenbedingungen. Hier müssen viele
Details unter die Lupe genommen werden.
»Wer Ehrenamtliche gewinnen will, muss Begeisterung transportieren.«
Vermieden werden soll dabei aber, hohe bürokratische Hürden aufzubauen, betont die gelernte Bibliothekarin aus Windecken, die im Kirchenkreis Hanau auch als Synodenvorsitzende tätig ist. Aufgewachsen in einem Dorf in Oberhessen, kam sie als junge Mutter über den Spielkreis zur Kirchengemeinde Windecken. Sie weiß, wovon sie spricht: Drei Wahlperioden war sie im heimischen Kirchenvorstand in Windecken tätig, davon
zwölf Jahre als Vorsitzende. Und bis heute gehört auch der Besuchsdienst zu ihren Ehrenamtsaufgaben. Dass dort für einen ökumenisch organisierten Fortbildungstag zehn Euro Kostenbeitrag verlangt werde, sei okay. Aber die Teilnehmenden müssten dieses Geld von ihren Kirchengemeinden unkompliziert erstattet bekommen oder aber eine Spendenquittung erhalten, wenn sie auf die Erstattung verzichteten.
Momentan steht die Kandidatensuche für die nächste KV-Wahl auf der Agenda. Das sei in vielen Gemeinden nicht leicht, zumal wenn man junge Menschen gewinnen will, weiß Gudrun Levin: „Teilweise ist das ein mühseliges Geschäft.” Was ihrer Meinung nach nottut, ist vorrangig eines: „Diejenigen, die Kandidaten suchen, müssen Begeisterung transportieren!”
Bei ihr selbst ist diese Begeisterung nach 30 Jahren Ehrenamt noch spürbar vorhanden.
Lothar Simmank

Broschüre "Standarts für die Ehrenamtsarbeit"
Die Broschüre „Standards für die Ehrenamtsarbeit“, die auch eine Version in einfacher Sprache enthält, soll eine „Leitplanke“ für die Nutzer sein. Das Ehrenamt in der Kirche gehöre zu den großen Engagementbereichen in Deutschland, entsprechend wichtig sei es, dass Organisationen einen guten Rahmen böten und diesen anpassten, um für neue Ehrenamtliche attraktiv zu bleiben, betont die landeskirche Fachstelle Engagementförderung im Kasseler Landeskirchenamt.
Die aktuelle Auflage der Broschüre kann man im Internet herunterladen oder als Printversion bestellen:
www.engagiert-mitgestalten.de
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
0561.93781966