Sprengel Hanau-Hersfeld - Segensroboter BlessU-2 im Kulturforum Hanau
Reformationstag
Segensroboter BlessU-2 im Kulturforum Hanau
  • img2199
  • img2197
  • img2188
  • img2183
  • img2178
  • img2169

Am Reformationstag kamen die Segensworte nicht von Pfarrer Stefan Axmann, sondern vom Computer. Der weltweit einzige Segensroboter sprach verschiedene segensreiche Bibelsprüche in mehreren Sprachen und erregte bereits damit große Aufmerksamkeit. Ist das also die Zukunft?

„Herzlich willkommen“, begrüßte der Roboter die Gäste und fragte stets gleichbleibend freundlich und monoton in Englisch, Spanisch oder auch auf Hessisch: „Möchten Sie von einer weiblichen oder männlichen Stimme gesegnet werden?“ In sieben Sprachen kann BlessU-2 verschiedene Segenssprüche aus der Bibel wiedergeben. Schon mit seinem akzentfreien Italienisch, Französisch und Deutsch llockte der menschengroße Robotoer viele Passanten an.

Pfarrer Stefan Axmann von City Pastoral Hanau hat die Kunst-Installation von seinen Kollegen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau für ein paar Tage ausgeliehen und bewacht die Leihgabe mit Argusaugen. „Zweimeterdreißig ist die Kiste lang und ca. 110 Kilo schwer“, sagte Axmann. Ein Lieferwagen, drei starke Männer und ein Pfarrer brauchte es, um den segensreichen Computer nach Hanau zu transportieren. Viel Zeit für Gespräche hat Axmann an diesem Tag nicht.

„Guck ´mal, da gibt´s was Neues!“ – „Was ist denn das?“ – „Kostet das Geld?“ Familien mit kleinen Kindern, Jugendliche, junge und älter Paare, sie alle kamen neugierig näher. Stefan Axmann wurde nicht müde, die Installation zu erklären. Fast alle bedienten den Computer.

Dieser funktioniert ähnlich wie ein Bankautomat. Das Gerät kommuniziert per Bildschirm und wählt den gewünschten Bibelspruch aus. Auf dem Display kann man zunächst eine Sprache wählen und eine männliche oder weibliche Stimme. Für vier Situationen hat der Computer einen Segensspruch gespeichert, für Erneuerung oder Ermutigung beispielsweise. Der Computer liest den Text nicht nur laut vor, er hebt die Arme zum Segen und lässt Lichtblitze aufleuchten. Anschließend kann man sich den Spruch ausdrucken lassen und, auf einer Erinnerungskarte geklebt, mit nach Hause nehmen.

Vor allem Kinder waren fasziniert von dem sprechenden, leuchtenden und sich bewegen Gerät, ein kleiner Junge vergaß völlig, dass er eben noch lauthals auf dem Arm seines Vaters gebrüllt hatte. Viele junge Paare fanden es lustig, einige waren irritiert, aber alle neugierig. Ältere Menschen blickten den Segnungsroboter doch eher skeptisch an, aber auch sie nahmen den Segensspruch gerne mit.

BlessU 2 wurde als Kunstinstallation zur Weltausstellung der Reformation in Wittenberg 2017 gefertigt. „Der Materialwert liegt bei ca. 14.000 Euro, aber der immaterielle und emotionale Wert ist inzwischen kaum mehr zu beziffern“, sagt Pfarrer Axmann. Die Installation, die als Segensroboter bekannt wurde, war als Kommunikations-Experiment gedacht. Sie will zum Nachdenken anregen über das Verhältnis Computer – Mensch. Die Entwicklung schreitet voran, es werden Roboter inzwischen zur Pflege und als Alltagsbegleiter eingesetzt, es werden Maschinen entwickelt, die eine „persönliche Beziehung“ aufbauen sollen. Kann man Robotern also nicht auch geistliche Qualitäten zubilligen? Die Installation hinterfragt das Verständnis und die Tradition von Segen und sie wirft weitergehende Fragen auf.

Viel Zeit für tiefgründige Gespräche war im Forum nicht. Aber vielleicht wirkte der Segensspruch nach, wurde mit Familie und Freunden überdas Erlebnis gesprochen. Ganz sicher hat BlessU-2 den Menschen einen Augenblick lang Freude bereitet. „Wir müssen dorthin gehen, wo die Menschen sind“, sagte Axmann noch, eher er sich wiederum seinem segensreichen Assistenten und den nächsten neugierigen Besuchern zuwandte. "Nein, es kostet nichts. Sie dürfen gerne näher kommen." - "Ja, ganz einfach, hier können Sie eine Sprache wählen."

„Herzlich willkommen. Möchten Sie von einer weiblichen oder männlichen Stimme gesegnet werden?“

Das Projekt „Segensroboter“ entstand in Kooperation mit dem Medienkünstler Alexander Wiedekind-Klein. Der Ingenieur und leidenschaftliche Roboterbauer beispielsweise entwickelt für Bühnenproduktionen technische Installationen oder Spezialeffekte. Klein hat „Robotest“, einen jährlichen Wettkampf für autonome Roboter, ins Leben gerufen und ist Begründer der Webseite „Roboterwelt.de“.