Sprengel Hanau-Hersfeld - Hein: „Es muss einen oder eine Beauftragte der EKD gegen Antisemitismus geben!“
Hein: „Es muss einen oder eine Beauftragte der EKD gegen Antisemitismus geben!“
Bischof im Sommerinterview zu Hasskommentaren, Antisemitismus und Prognose zur Mitgliederentwicklung
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In seinem diesjährigen Sommerinterview äußerte sich Bischof Dr. Martin Hein gegenüber der Onlineredaktion des Evangelischen Medienhauses u. a. zum erstarkenden Antisemitismus, zum gesellschaftlichen Klima nach dem Mord an Walter Lübcke sowie zu der EKD-Studie zur Mitgliederentwicklung.

„Es muss einen oder eine Beauftragte der EKD gegen Antisemitismus geben!“
Hein beklagte den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Es sei offensichtlich, dass die Bedrohung von Juden nicht nur von Menschen mit Migrationshintergrund ausginge, sondern dass eine große Anzahl der Übergriffe auf rechtsradikale Täter zurückzuführen seien. Kritisch merkte der Bischof an, dass das Thema Antisemitismus viel zu lange beiläufig behandelt worden sei. Seiner Ansicht nach reiche es nicht, sich als evangelische Kirche gegen jede Form des Antisemitismus zu positionieren. Daher stelle er einen weitergehenden Vorschlag zur Diskussion: „Es muss – und zwar möglichst bald! – einen oder eine Beauftragte der EKD gegen Antisemitismus geben!“

„Nicht das Netz muss sich ändern, sondern die Menschen, die es nutzen“
Der Bischof zeigte sich schockiert über die Hasskommentare im Internet nach dem Tod von Walter Lübcke. Allerdings seien Hass und Aggressivität nicht nur ein Problem des Internets; vielmehr habe sich die Sprache „ausgesprochen enthemmt“. Daraus folgerte der Bischof, dass nicht das Netz sich ändern müsse, sondern die Menschen, die das Netz nutzen: „Wir müssen zurückfinden zu einer Sprache, die Humanität wahrt und die Menschenwürde nicht verletzt!“

Prognose 2060: „Auch 30 Millionen Christen sind eine nicht zu unterschätzende Anzahl“
Mit Blick auf die Ergebnisse der EKD-Studie zur Mitgliederentwicklung erläuterte der Bischof, dass man bei aller Unsicherheit von Prognosen damit rechnen müsse, dass sich im Jahr 2060 die Zahl der Kirchenmitglieder um die Hälfte reduziert haben werde. Einerseits stelle sich jetzt die Frage, ob man dem Trend gegensteuern könne; andererseits müsse man erkennen, dass auch 30 Millionen Christen im Jahr 2060 „auch eine nicht zu unterschätzende Zahl sind, die wir animieren können, ihr Christsein nach außen darzustellen“. Kurhessen-Waldeck werde bei dieser Kirchenmitgliederentwicklung keine Ausnahme bilden, wie Hein einräumte: „Wir sind als kurhessische Kirche keine wachsende Kirche. Leider.“ Es gebe zwar eine gewisse Anzahl von Menschen, die wieder in die Kirche einträten, aber dies halte den Trend nicht auf. Daher sei es die vordringliche Aufgabe der Kirche, „die Menschen, die unsere Mitglieder sind, bei uns zu halten und ihnen gute Gründe zu geben, warum es Sinn macht, der Kirche anzugehören“. Seine Idee, dass eine Mitgliedschaft auch gewisse Vorteile bieten könne, sei auf sehr unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Hein gab zu bedenken, dass die Kirche zum überwiegenden Teil durch ihre Mitglieder finanziert werden: „Und wenn wir auf die Mitgliederwerbung oder auf die Mitgliederpflege keinen Wert mehr legen, dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, dass die finanziellen Voraussetzungen geringer werden und unser Angebot damit schrumpft.“

Das vollständige Interview unter: www.ekkw.de

Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck
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mid - eingestellt am 08.07.2019