Sprengel Hanau-Hersfeld - Aufstellen für die Zukunft

Tageslosung

Weh denen, die unrechtes Urteil schreiben, um die Sache der Armen zu beugen und Gewalt zu üben am Recht der Elenden!
Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

 

 

Aufstellen für die Zukunft
Der Sparkurs der Landeskirche trifft auch den Kirchenkreis Hanau: Pfarrstellen werden weniger, die Gemeinden setzen auf neue Projekte und Kooperationen
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Zum letzten Mal vor der Wahl neuer Kirchenvorstände tagten am vergangenen Freitagabend die Kreissynodalen, die Pfarrer und Vorstände der evangelischen Kirchengemeinden des Krei-ses Hanau. Unter Leitung von Dekan Dr. Martin Lückhoff und der Vorsitzenden Gudrun Levin standen der Bericht des Dekans, der Reisebericht der Delegation des Kirchenkreises zu Gemeinden nach Madikwe / Südafrika und die Kategorisierung der Kirchengebäude auf der Tagesordnung. Vor allem aber ein Thema stand im Mittelpunkt der Versammlung: der Pfarrstellenplan bis 2026.

Seit Jahren verlieren die großen Kirchen in Deutschland Mitglieder und streichen deshalb auch Pfarrstellen. Eine Entwicklung, die Kir-chengemeinden und Pfarrer besonders schmerzt, da ihre tägliche Arbeit vor Ort nicht nur von (zahlenden) Kirchenmitgliedern wahrgenommen und geschätzt wird. Selbstverständlich sind Kitas unter kirchlicher Leitung für alle Kinder offen, Jugendarbeit und die kirchlichen Dienste, wie Verkündigung, Unterricht und Seelsorge, werden nicht nur von Kirchenmitgliedern, sondern von vielen Menschen gerne in Anspruch genommen.
Dennoch habe sich der Kirchenkreis an die Vorgaben der Landeskirche zu halten und diese sähen für den Kirchenkreis Hanau 31 volle Pfarrstellen bis 2026 vor. „Mitgliedschaftsverhalten ändert sich. Hinzu kommt die demographische Entwicklung, durch die wir weniger werden“, erläuterte Dekan Lückhoff. „Vor die-sem Hintergrund streicht die Landeskirche Stellen; der Kreis Hanau leistet in den nächsten Jahren mit fünf Stellen von 36 seinen Beitrag hierzu.“ Diese Aufgabenstellung habe dem Vorstand des Kirchenkreises einige schlaflose Nächte bereitet, man könne aber der Kreissynode einen intensiv diskutierten und ausgewogenen Entwurf zur Beschlussfassung vorlegen. Man werde die pfarramtliche Versorgung aller Gemeinden sicherstellen. Für die Erstellung des Planes habe der Kirchenkreisvorstand (KKV) einige grundsätzliche Entscheidungen getroffen: Alleiniges Kriterium für die Zuweisung von Pfarrstellen sei die Mitgliederzahl. Man orientiere sich am aktuellen Stellenplan und werde Stellenwechsel und Ruhestandssetzungen berücksichtigen. Es würden vor allem ganze und halbe Pfarrstellen vorgehalten, man verzichte auf Dienststellen mit einem Umfang von 0,75 Prozent.
Diskussionspunkt unter den Kreissynodalen war vor allem, dass Pfarrstellen sich ausschließlich an der Mitgliederzahl orientieren würden und nicht auch die Leitung von KiTas oder Arbeit in der Diakonie berücksichtigt würde. In der etwa einstündigen, mit großem Einsatz, aber fair geführten Aussprache gab es Pro und contra, letztlich wurde der vorliegende Entwurf des Kirchenkreisvorstandes mit großer Mehrheit angenom-men.
„Die spürbaren Veränderungen, die Zeit, Nerven und Kraft kosten“, wie Pröpstin Sabine Kropf-Brandau es in ihrer Gastrede formulierte, sahen einige Diskutanten auch als eine Chance für neue Entwicklungen. „Sie wollen eine lebendige Kirche. Das ist eine schwere Aufgabe, doch wir werden nicht locker lassen auf dem Weg dorthin“, ermutigte sie die anwesenden Kreissynodalen.
Deutlich wurde in der Auseinandersetzung, dass die positiven Aspekte des Strukturwandels auch in der „Aufgabenkritik“ zu sehen sei, in der Frage also, welche Aufgaben Pfarrer durchaus delegieren könnten. Einige Pfarrer plädierten beispielsweise dafür, Trägerverbünde für KiTas zu gründen. „Wachsen oder weichen“ sei nicht die alleinige Option, sondern der Mangel sei auch eine Chance, sich neu zu organisieren und zu fokussieren. Gemeinsame Projekte in der Ökumene, wie City-Pastoral, auch Zusammenarbeit und Kooperationsräume bringen frische Ideen in die Kirche. „Auch das Ehrenamt ist wichtig. Menschen setzen ihre Gaben und Talente ein, davon leben wir“, sagte ein ehrenamtlicher Kirchenvorstand. „Wir sind hier nicht bei irgendeiner Firma, sondern bei der Kirche. Wir sollten mehr Vertrauen in die Menschen setzen.“

Bilder und Text stammen von Ulrike Pongratz.

mid - eingestellt am 12.03.2019