Wichtiges Angebot zum Schutz von Leben und Gesundheit: In Hanau ist ab sofort der erste Präventionsautomat in Betrieb. Hier können drogenkonsumierende Menschen anonym und zeitlich unabhängig sichere Verbrauchsmaterialien erhalten. Der Automat wird vom Diakonischen Werk Hanau-Main-Kinzig betrieben und ergänzt das Angebot der ambulanten Suchtberatung.
„Als Diakonisches Werk sind wir für alle Menschen da“, stellt Geschäftsführerin Ute Engel fest. Dies gelte auch für Menschen mit einer Suchterkrankung, die nur zu oft am Rande der Gesellschaft stehen. Auch wenn die Abstinenz ein wichtiges Ziel der Suchtkrankenhilfe bleibe, zeige die Praxis, dass viele Menschen weiterhin konsumieren oder der Weg aus der Sucht mitunter lang und beschwerlich sei. Auch in dieser Phase wolle man den Menschen zur Seite stehen und helfen, ihre Gesundheit zu schützen. Seit drei Jahren werden in der Suchtberatung des Diakonischen Werkes deshalb auch sogenannte „Safer-Use-Materialien“ wie beispielsweise sterile Spritzen ausgegeben. Dies hilft, die Übertragung von Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatis zu verhindern, Wundinfektionen und andere gesundheitliche Komplikationen zu vermeiden. Der Bedarf ist groß, wie Suchtberaterin Hannah Pfister berichtet: Rund 5.000 Nadeln wurden im vergangenen Jahr über die ambulante Suchtberatung des Diakonischen Werks für den sicheren Konsum an Klient*innen ausgegeben. Doch was, wenn die Beratung gerade nicht geöffnet ist? „Wir möchten, dass unsere Klientinnen und Klienten rund um die Uhr mit sauberen und sicheren Utensilien versorgt sind“, so Pfister. Dies sei nun über den Automaten möglich. Gleichzeit sorge das niedrigschwellige Angebot dafür, Hürden abzubauen und den Betroffenen den Weg in die Hilfesysteme zu erleichtern.
Konzeptionell wurde der Präventionsautomat von den hessischen Aidshilfen entwickelt – allen voran der AIDS-Hilfe Hanau und Main-Kinzig-Kreis e.V., und wird seither vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport Gesundheit und Pflege unterstützt. „Drogengebrauchende Menschen erleben erhebliche Zugangsbarrieren zu gesellschaftlich relevanten Bereichen wie bedarfsgerechter Gesundheitsversorgung. Das Projekt möchte an dieser Stelle Barrieren abbauen“, so Christian Rosner vom Landesverband der hessischen Aidshilfen und Leitung des Automatenprojektes. Zur feierlichen Inbetriebnahme des Automaten waren neben Partnern aus dem regionalen Hilfenetzwerk auch Bürgermeister Dr. Maximilian Bieri, Stadträtin Isabelle Hemsley, der erste Kreisbeigeordnete Andreas Hofmann und der Landtagsabgeordnete Heiko Kasseckert erschienen. Auch sie betonten die große Bedeutung guter Präventionsangebote für die Gesellschaft und bedankten sich bei den Beteiligten für dieses neue Angebot der Suchtkrankenhilfe.
Über das Diakonische Werk
Das Diakonische Werk Hanau-Main-Kinzig bietet ein umfangreiches Beratungsangebot für Ratsuchende an. Es umfasst Sozial- und Lebensberatung, Suchtberatung, Schuldnerberatung, Flüchtlingsberatung, Migrationsberatung, psychologische Beratung und Betreutes Wohnen für Menschen mit einer Abhängigkeitserkrankung.