10 Jahre ist es jetzt her, dass ich das erste Mal Gottesdienste in Gronau und Niederdorfelden feiern durfte – 10 lange Jahre. Und wenn ich zurückschaue, dann fallen mir zu den vielen Gottesdiensten auch schöne und erfüllende Begegnungen und Gespräche ein. Ich schaue in diesen Tagen weit über die vergangenen zehn Jahre hinaus: Vor mir auf dem Tisch liegt die Traueranzeige von ‚meinem‘ alten Kirchenchorvorsteher, der kürzlich im hohen Alter von 91 Jahren verstorben ist. Er stand dem Kirchenchor, in dem ich als junger Chorleiter arbeitete, als gute Seele vor, die sich um die Organisation und die vielen kleinen und größeren Auftritte des Chores kümmerte. Er war kein Mensch, der sich in den Vordergrund drängelte – lieber ließ er andere im Mittelpunkt stehen. In seinem Ehrenamt verstand er sich als Mitarbeiter im Weinberg Gottes. Und wenn ich sage, dass er sich in der Gemeinde nicht in den Vordergrund drängelte, dann zeigte sich das auch darin, dass es ihm eben nicht um seine Person, sondern um die Verkündigung des Wortes Gottes ging. Im Chor sang er nicht nur davon, seine Haltung dem Leben gegenüber war geprägt von der inneren Überzeugung und dem festen Glauben: Gottes Wort ist wahr! Gott ist treu! Und dieser Treue vertraute er sich in seinem Leben an – so lernte ich ihn kennen und schätzen. Sein Leben stand unter der Überschrift des 1. Artikels des Heidelberger Katechismus. Frage 1: Was ist dein einziger Trost im Leiden und im Sterben? Antwort: Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. 

Auf dein Wort hin – will ich tun, was dein Wort mir sagt. Das Wort Gottes, das uns an diesem Sonntag gegeben ist, steht als geistliches Wort über die nun beginnende Woche. „Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Gal 6,2)

Welch Bedeutung dieses Wort in besonderer Weise in diesen Zeiten hat – ich muss es gar nicht ausführen. Vieles fällt mir dazu ein, wie das denn ganz praktisch ausschauen kann. Ja, ich weiß das … ich kann dem tagtäglich in meinem Alltag nachspüren. Nachspüren kann ich aber auch in der Rückschau auf einen zu Ende gegangenen Tag, dass ich die Chancen, das Wort Gottes lebendig klingen zu lassen oftmals nicht angenommen und ergriffen habe.

Am Ende der Kirchenchorstunde haben wir oft gesungen aus dem Lied von Gerhard Fritzsche „Gelobt sei deine Treu“.

1.) Gelobt sei deine Treu,
die jeden Morgen neu
uns in den Mantel deiner Liebe hüllt,
die jeden Abend wieder,
wenn schwer die Augenlider,
das schwache Herz mit Frieden füllt.

2.) Wir wolln dem Namen dein
im Herzen still und fein
lobsingen und auch laut vor aller Welt.
Nie hast du uns vergessen,
schenkst Gaben unermessen,
tagtäglich deine Hand uns hält.

3.) Kleidung und Brot gibst du,
der Nächte Ruh dazu,
und stellst am Morgen über jedes Dach
des Taggestirn, das helle;
und mit der güldnen Welle
des Lichts nimmst du das Ungemach.

Gott ist treu, mir und sich selbst. Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1. Joh 4). Und weil Gott sich selbst und seiner Liebe treu ist, so ist auch sein Blick auf mich – am Ende des Tages – von Liebe geprägt. Gott schaut auf mich – auf den, der schuldig geworden ist – durch die „Brille der Liebe“.

Verbunden mit Ihnen in dem Glauben an die Treue Gottes, gehe ich nun den Weg, den Gott für mich jetzt bereithält und erbitte für Sie auf Ihren Wegen den Segen Gottes. Am Ende – und auch jetzt im Gedenken an die Traditionen meines alten Kirchenchorvorstehers, beende ich diese Sonntagsgedanken mit dem vierten Vers des Liedes von der Treue Gottes.

Gelobt drum deine Treu, die jeden Morgen neu uns deine abgrundtiefe Liebe zeigt. Wir preisen dich und bringen dir unser Lob mit Singen, bis unser Mund im Tode schweigt.

Amen.

Ihr
Pfarrer Andrew Klockenhoff