Eine Person, die eine Augenbinde trägt, wird behutsam durch den Raum geführt. Eine zweite Person kann auch nicht sehen, wird aber durch den Raum gezerrt, dass sie jederzeit stürzen könnte. Die zweite ruft: „Hätte Gott auch sagen können, dass Umarmen schlecht ist, und dann wäre es schlecht?“ Und die erste antwortet: „Wir würden es nicht anders kennen. Aber jetzt kann er es nicht mehr ändern. Du kannst auch nicht sagen, dass eine Kerze ein Stuhl ist.“

Im Programmblatt erfahren die Zuschauer, dass das Theaterstück der Ostheimer Konfirmanden auf einer über 2000 Jahre alten Debatte gründet. Damals hatte der Philosoph Sokrates sich gefragt, ob die Götter das Fromme lieben, weil es fromm ist, oder ob es nur deshalb fromm ist, weil sie es lieben. Biblisch gewendet: Kann Gott frei bestimmen, was das Gute ist? Die Konfirmanden wandeln die biblische Geschichte ab, in der Gott Abraham auffordert, seinen Sohn Isaak zu töten. Die erste Szene des Stückes wiederholt sich zweimal, mit leichten Varianten: Beim ersten Mal hat Abraham Gewissensbisse, als er Isaak zur Schlachtbank führt, beim zweiten Mal nicht. Und beim dritten Mal wissen beide, dass die Geschichte gut ausgehen wird. Welcher Abraham passt zu einem Gott, der aufgrund seiner Allmacht frei entscheiden kann, was gut und böse ist?

Ganz frei scheint Gott nicht zu sein. Denn immerhin braucht er Abrahams Vertrauen, sonst würde nach seinem Befehl gar nichts passieren. Triumphierend erwidert Abraham seinem Gott: „Ohne Vertrauen kannst du keine Mordpläne wie lustig realisieren.“ Anscheinend ist nicht das gut, was sich jemand ausdenkt, und sei es auch ein Gott. Vielmehr entsteht das Gute, wenn Personen es aushandeln. Ein Konfirmand bringt es am Ende des Stücks auf die Spitze: „Gott sieht etwas Böses, und das Gute stellt sich ein.“ Als Abraham Gott fragt, wie er seinen eigenen Sohn ans Kreuz bringen konnte, geht Jesus dazwischen: „Es war zwar nicht gut, aber manchmal ist es wichtiger, etwas Richtiges zu tun.“ Gott ist also eher dort zu suchen, wie sich das Gute von alleine einstellt.

Mit dem Theaterstück „Isaaks Opferung“ hat ein Ostheimer Konfirmandenkurs wieder einmal eine anspruchsvolle Botschaft zum Ausdruck gebracht. In einem Alter, in dem Jugendliche verstärkt über moralische Fragen nachdenken, unterstreichen sie, dass gut und böse keine festen Maßstäbe sind. Vielmehr müssen Menschen ihre Ziele gemeinsam aushandeln und sich dabei vertrauen, damit sich das Gute von alleine bildet.

Endlich konnten die Jugendlichen vor einem Publikum spielen. Zwar hatte eine Konfirmandin in diesen schwierigen Zeiten krankheitsbedingt gefehlt, was aber durch eine konzentrierte Mannschaftsleistung ausgeglichen wurde.