Reinhard von der Kammer war seit 20 Jahren in Ostheim als Organist tätig. Schon als junger Mensch spielte der Pfarrerssohn in den Gottesdiensten von Klein-Auheim, wo sein Vater Pfarrer war. Gleichzeitig gab Herr von der Kammer Gitarrenunterricht. Nach dem Ruhestand des Vaters suchte sich der Sohn neue Tätigkeitsfelder in der Kirchenmusik. Kaum eine Gemeinde im Umkreis, in der er nicht die Orgel spielte, als musikalische Aushilfskraft in Gottesdiensten tätig war oder Gitarrenunterricht gab. In Ostheim leitete er rund 15 Jahre mehrere Gitarrengruppen, die in besonderen Gottesdiensten oder bei Gemeindefesten auftraten.

Er hatte klare Vorstellungen von der musikalischen Begleitung von Kirchenliedern. So war es für ihn undenkbar, Lieder der Nachkriegszeit mit der Orgel zu begleiten. Hierfür griff er natürlich nach der Gitarre. Zudem achtete er auf die genaue Zusammenstellung der Lieder in einem Gottesdienst. Die Absprachen mit Pfarrerinnen und Pfarrern für die Gottesdienste konnten so lange und ausführlich werden.

Reinhard von der Kammer war oft musikalisch verantwortlich bei Trauungen. Er gab den Farbtupfer bei Festgottesdiensten, wenn er mit Hawaii-Hemd vor den Altar trat und dann seine satte Bass-Stimme mit Gitarre begleitete. Kirchenmusik verstand er als christliche Verkündigung. Deshalb konnte es ihn auch kränken, wenn man seine oftmals langen Vorspiele kritisierte.

Fünf Tage seit seiner letzten Trauung starb Reinhard von der Kammer zu Hause. Noch am Vormittag des Todestags telefonierte er mit Schülerinnen eines seiner Gitarrenkurse, um Probentermine auszumachen. So sehr auch sein Körper in den vergangenen Jahren schwächer wurde, so ruhelos blieb sein Geist bis zuletzt. Die Ostheimer Kirchengemeinde und auch der Kirchenkreis Hanau verlieren eine wertvolle Stütze kirchenmusikalischer Kontinuität. Reinhard von der Kammer war ein treuer Begleiter und verlässlicher Mitarbeiter. Vermutlich wird er im anderen Leben nicht in Frieden ruhen, sondern engagiert mit den Engeln musizieren.