ANDACHT zum Sonntag Estomihi – 14. Februar 2021

12 Feb
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Valentinstag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und

die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen.

Sammlungsgebet

Gott des Lebens,
an dich wenden wir uns, Anfang und Ziel unserer Liebe.Du, Gott, bist uns nicht fern,
du bist mit uns und in uns,
näher als wir uns selber sind.
In dir leben, weben und sind wir.

Du lässt uns nicht in der Einsamkeit erfrieren.
Wir danken dir, dass wir füreinander da sein können.

Du machst uns fähig, einander zu lieben.
Du lässt uns erleben, dass wir miteinander verbunden sind –

auch in dieser Pandemiezeit.

Dann vielleicht sogar besonders.

Besonders danken wir dir für das Vertrauen und die Liebe,

die zwei Menschen verbindet.

Schenk uns offene Ohren, offene Augen, offene Herzen.
Amen

Andacht

Der Text für die heutige Andacht steht in 2. Korintherbrief 3, 2-9:

„Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen. Solches Vertrauen aber haben wir durch Christus zu Gott. Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber, sondern dass wir tüchtig sind, ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“

Liebe Gemeinde,

heute ist Valentinstag. Doch der Valentinstag an meiner Schule wurde abgesagt. So scheint es. Denn eigentlich macht jedes Jahr die SV (Schülervertretung) eine Rosenaktion, dann können Rosen gekauft werden für Menschen, die man liebt oder schätzt. Dieses Jahr sind die Gänge der Kaufmännischen Schulen in Hanau und auch an anderen Schulen merkwürdig leer. Nur die Abschlussklassen und ein paar Lehrer*innen sind da.

Ich kann mir vorstellen, dass die Pandemie auch frischverliebten Pärchen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Liebe in Pandemiezeiten ist sicherlich eher noch schwieriger als sonst. Aber Liebe – sie ist ja zum Glück trotzdem vorhanden – manchmal muss sie aber erst gesucht werden…

Ich mache mich auf die Suche nach der Liebe in meinem Schrank. Dort steht eine Schachtel mit alten Briefen. Diese Briefe spiegeln einen großen Teil meines Lebens wider. Wenn ich sie in die Hand nehme, erinnere ich mich an Menschen, die mich auf meinem Lebensweg begleitet haben und ich erinnere mich an Situationen, in denen ich diese Briefe erhalten habe. Drei Briefe habe ich heute in die Hand genommen. Der erste Brief ist aus dem Jahr 1995. Der Brief ist an meine Adresse in Niederweimar bei Marburg adressiert. Dort lebte ich lange Zeit während meines Studiums. Die Briefmarke auf dem Umschlag zeigt, dass dieser Brief aus Indonesien ist. Geschrieben von Raya, die ich im Rahmen der Partnerschaft zwischen Hanau-Land und Kalimantan/Borneo kennengelernt habe. Jahre habe ich sie nicht mehr gesehen. Und in diesem Brief schreibt sie, dass sie meinen Brief erst jetzt beantwortet, da sie ein Kind bekommen hat. Ein Foto legte sie bei. Der zweite Brief ist kein Brief, sondern eine Postkarte aus dem Jahr 1996 aus Prag, diesmal in Tschechisch mit schöner Schrift. Lange habe ich auf diese Postkarte gewartet. Regelmäßig bin ich zum Briefkasten gegangen um zu schauen, ob Post angekommen ist. Und als sie dann endlich kam, war ich selig. Ich war verliebt. Einige Male habe ich diese Postkarte gelesen, in der Hoffnung, dass ich aus den wenigen Zeilen irgendwelche Hinweise erkennen kann, dass meine Liebe erwidert wird. Tja, es sollte aber noch einige Zeit dauern bis wir zusammenkamen. Doch zusammen sind wir bis heute noch.

Und dann habe ich in meiner alten Schachtel noch einen dritten Brief. Er ist aus dem Jahr 2000. Er enthält meine Adresse in Karlsbad. Auch diese Handschrift kenne ich gut. So schreiben meist ältere Menschen. Es ist ein Brief von der Küsterin Frau Müller, wo ich mein Vikariat verbracht habe. Sie schreibt, was es Neues in der Gemeinde gibt. Ihr Brief ist sehr herzlich.

Wenn ich meine Briefe durchsehe, finde ich dort fast alle Namen derjenigen Menschen, die mir etwas bedeuten oder mir etwas bedeutet haben. Die Briefe bezeugen, was ich für eine Beziehung zu den Menschen hatte. Sie erzählen von ihrem Leben – aber auch von meinem.

Vielleicht haben auch Sie bei sich zuhause eine solche Schachtel mit Briefen aus Ihrem Leben. Und manche dieser Briefe sind für Sie vermutlich sehr wertvoll, weil Sie aus ihnen die Liebe derjenigen herauslesen können, die Ihnen schreiben. Warum aber schreiben wir Briefe – sofern wir sie in der heutigen digitalen Zeit, in der Zeit von SMS und WhatsApp überhaupt schreiben.

Menschen können sich mit Hilfe von Briefen anderen mitteilen. Und Briefe zeigen uns, dass uns jemand gerne mag. Sie können uns trösten, und wir können aus ihnen Kraft schöpfen.

Wenn wir selbst einen Brief schreiben so hilft uns das Formulieren des Briefes, um unsere Gedanken zu ordnen. Manchmal schreiben wir Briefe, damit das, was wir ausdrücken wollen ein größeres Gewicht erhält: so z.B. bei Liebesbriefen. Es ermöglicht uns, dass wir einen Brief mehrfach lesen und ändern können, bevor wir ihn verschicken.

Briefe stellen Brücken zwischen zwei Menschen her.

Auch in unserem Bibeltext geht es um Briefe. Dieser Brief ist jedoch von einer anderen Art. Paulus schreibt: „Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen…“

Paulus schreibt, dass WIR Briefe Christi sind. Wir alle – in Kilianstädten und Oberdorfelden, in Hanau und in Frankfurt. Wir alle, wo auch immer wir gerade sind, sind Briefe Christi. Jeder hat einen Brief geschrieben an einen oder mehrere Menschen.

Briefe waren zur Zeit des Paulus noch wertvoller als für uns heute: Es war manchmal die einzige Möglichkeit Kontakt herzustellen oder aufrechtzuerhalten. Die Versendung von Briefen war häufig beschwerlich: die Briefe wurden mit Schiffen, auf Pferden – und manchmal mit einem persönlichen Boten verschickt.

Wenn Paulus schreibt, dass wir Briefe Christi sind, sagt er damit, dass Gott uns braucht, damit er eine Brücke zu den Menschen herstellen kann.

Was denken Sie, an wen Gott Sie als Brief verschickt hat? Sind Sie ein Brief Gottes an Ihre Kinder, oder Patenkinder? Oder sind Sie ein Brief Gottes an Ihre Nachbarn, Freund*innen, Kolleg*innen?

Gott braucht uns, damit er Kontakt zu anderen Menschen aufbauen kann. Ohne die Menschen – wäre ich mit Gott nicht in Kontakt gekommen. Gott braucht uns und er gebraucht uns, damit er trösten, Interesse ausdrücken und seine Liebe erweisen kann.

„Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen.“

Welchen Inhalt hat ein Brief, geschrieben von Gott? Was sollen wir den Menschen von Gott verkündigen?

Paulus schreibt, dass wir nicht Briefe Christi auf steinernen Tafeln sind, sondern auf fleischernen Tafeln unseres Herzens. Wenn Gott früher seine Briefe anhand der Zehn Gebote geschrieben hat, dann gebraucht er nun Menschen – und so wird seine Botschaft menschlicher. Es ist, als ob Gott erkannt habe, dass sein Gesetz auf steinernen Tafeln nicht genügend ausdrücken kann, was er denkt. Es ist, als ob er selbst eine größere Flexibilität benötigt, um Menschen etwas mitzuteilen – und ihnen zu antworten. Wenn er Menschen gebraucht – als seine Briefe – kann er wesentlich persönlicher sein. Und wir sind solch ein persönlicher Brief Gottes.

Noch etwas erfahren wir aus dem heutigen Bibeltext über den Inhalt der Gottesbriefe: „Nicht dass wir tüchtig sind von uns selber, uns etwas zuzurechnen als von uns selber, sondern, dass wir tüchtig sind, ist von Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ Den Brief, den Gott nun schreibt ist kein Gesetzestext. Es ist ein Brief, in dem Menschen herauslesen können, dass Gott Interesse an ihnen hat. Es ist ein Text, wo wir zwischen den Zeilen Gottes konkrete Liebe zu einem Menschen herauslesen können. „Denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“

Jemand sagte mal, dass eine der interessantesten Fragen nach der Pandemie sein wird, wer wir denn waren – in dieser Zeit. Sind wir uns treu geblieben? Waren wir ängstlich – oder leichtsinnig? Haben wir anderen Mut gemacht – oder haben wir Hoffnungslosigkeit verbreitet? Ich habe mir einige Gedanken dazu gemacht, wer ich denn gerne sein möchte – in dieser Pandemiezeit. Es gilt aber nicht nur für Pandemiezeiten. Ich möchte das darlegen, in dem ich schreibe, welche Art von Brief ich denn gerne sein will:

Ich möchte gerne ein persönlicher Brief sein, der zeigt, das mir an dem anderen gelegen ist. Ich wünsche mir, dass die Menschen aus einem solchen Brief herausfühlen, dass es mir um sie geht. Ich möchte ein Brief sein, der trotz Abstand, noch Wärme ausstrahlt. Ich möchte kein Brief sein, wo sich ein Bibelzitat an das andere reiht. Aber vielleicht ein Brief, wo ich ein Bibelzitat für einen bestimmten Menschen auswähle. Ich wünsche mir – ein Brief zu sein, der Beziehungen festigt, nicht beendet. Ich möchte ein Brief sein, der den Dialog erweitert, und die Auseinandersetzung nicht scheut. Ein Brief möchte ich sein, der ermutigt zum Erzählen. Und ich möchte ein erzählender Brief sein, erzählend von dem, was ich mit Gott erlebt habe. Auf jeden Fall will ich eher ein Liebesbrief sein als ein Mahnschreiben. Ein Brief möchte ich sein, der zumindest ein Herz höherschlagen lässt – und ein Brief, den man sich unter das Kopfkissen legt. Amen

Fürbittengebet

Gott, höre unsere Bitten. Wir beten …:

  • für alle, die partnerschaftlich unterwegs sind: Lass ihre Liebe mit den Jahren weiterwachsen und lass sie deine Gegenwart in ihrer Liebe spüren.
  • für alle, die ihr Leben miteinander teilen. Schenke ihnen Kraft, sich in ihrer Verschiedenheit zu schätzen. Lass sie fähig bleiben, jeden Tag zueinander zu stehen.
  • für alle, die es schwer in ihrer Beziehung haben, dass sie nicht aufgeben, sondern in der Kraft der Liebe sich neu suchen und annehmen – auch nach Schuld und Versagen.
  • für alle, die ihre Beziehungen beenden müssen – weil sie spüren, dass es nicht mehr weitergeht, ihnen nicht mehr guttut – die Angst haben vor der Zeit danach.
  • für alle, die verlassen wurden – dass sie durch andere
  • Menschen und dich, Gott, Trost finden.
  • für Paare, die sich auf die Hochzeit vorbereiten: Lass sie dich als den Ursprung ihrer Liebe erkennen und entdecken, dass du Gott es bist, der sie einander…
  • für alle, die ihren Partner/ Partnerin verloren haben. Dass die Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit ihre Herzen in dunklen Momenten nährt
  • für alle, die in diesen Pandemiezeiten an der Einsamkeit leiden
  • für die Liebe zwischen den Generationen – für die Liebe zwischen den Menschen, für die Liebe – die uns Kraft zum Leben schenkt. Denn, wo Menschen einander in echter Liebe zugetan sind und sich ehrlich füreinander einsetzen, dort ist Gott nicht fern. Amen

Segen

Gott, der Herr sei über euch,

damit der Himmel sich euch nie verschließe

und Gott sei unter euch, damit kein Abgrund euch verschlinge.

Gott sei vor euch, um den Weg zu ebnen,

und Gott sei hinter euch, um unvorhergesehene Gefahr abzuwehren.

Gott sei stets in Euch, damit Eure Herzen

den Rhythmus der Liebe nicht verlieren. AMEN

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Herzliche Grüße an Sie alle von Ihrer Pfarrerin Ivona Linhart

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