ANDACHT zum letzten Sonntag nach Epiphanias – 31. Januar 2021

29 Jan
0

WILLKOMMEN

Wer und wo Sie auch sind – Gott sei mit Ihnen. Wir alle, jede und jeder einzelne, kommen von ihm. Er hat uns gemacht, wie er Himmel und Erde gemacht hat. So bezeugt es die Bibel und so bezeugen wir es als Christinnen und Christen in aller Welt.


Gott hat Himmel und Erde gemacht – darüber will ich mit Ihnen nachdenken.


PSALM 104 DAS LOB DER SCHÖPFUNG


Preise den HERRN, meine Seele!

HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.

2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,

du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt.

3 Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser.

Du nimmst dir die Wolken zum Wagen,

du fährst einher auf den Flügeln des Windes.

4 Du machst die Winde zu deinen Boten,

zu deinen Dienern Feuer und Flamme.

5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, i

n alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.

6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid,

die Wasser standen über den Bergen.

7 Sie wichen vor deinem Drohen zurück,

sie flohen vor der Stimme deines Donners.

8 Sie stiegen die Berge hinauf,

sie flossen hinab in die Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast.

9 Eine Grenze hast du gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten,

nie wieder sollen sie die Erde bedecken.

10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche,

sie eilen zwischen den Bergen dahin.

11 Sie tränken alle Tiere des Feldes,

die Wildesel stillen ihren Durst.

12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels,

aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.

13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,

von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.

14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh

und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen,

damit er Brot gewinnt von der Erde

15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut,

damit er das Angesicht erglänzen lässt mit Öl

und Brot das Herz des Menschen stärkt.

19 Du machst den Mond zum Maß für die Zeiten,

die Sonne weiß, wann sie untergeht.

27 Auf dich warten sie alle,

dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.

28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,

öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem.

29 Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört,

nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub.

30 Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen

und du erneuerst das Angesicht der Erde.

31 Die Herrlichkeit des HERRN währe ewig,

der HERR freue sich seiner Werke.

Preise den HERRN, meine Seele! Halleluja!


ANSPRACHE

Es ging mal wieder um die Bibel. Ist sie glaubwürdig, wahr? Hat es wirklich nur zwei Menschen gegeben, auf die wir alle zurück gehen? Für mich ist die Bibel das wunderbarste Buch, das ich mir denken kann. Und das fängt schon am Anfang an: Sie beginnt mit zwei verschiedenen Schöpfungsgeschichten.

Da ist einmal die Geschichte, wie Gott Sonne, Mond, Sterne, alles nacheinander an sechs Tagen schafft. Genau genommen, denkt er alles – und schon IST es. Er erschafft ohne Material und ohne Handwerk, durch Denken. Man könnte sagen: Er hat eine Idee – und schon ist sie wahr. Am siebten Tag ruht Gott – selbst er. Denn auch Denken braucht eine Atempause, einen Abstand, etwas Anderes.

Und dann kommt die zweite Geschichte vom Anfang. Gott nimmt Erde und formt daraus einen Menschen. Durch die Nase haucht er ihm das Leben ein. Und dann? Dann pflanzt Gott den Garten Eden an, ein weites Land mit Bäumen und Flüssen. Adam, das heißt Mensch, Mensch soll den Garten bebauen. Und auch das Verbot, von diesem einen bestimmten Baum zu essen, gibt es schon.

Aber dann fällt Gott auf, dass Mensch allein ist. Was tun? Gott formt jetzt aus der Erde alle Tiere. Nacheinander bringt er sie zu Mensch, damit er ihnen Namen geben soll. Aber eigentlich will Gott sehen, ob er dabei etwas Passendes für Mensch findet. Mensch gibt allen Namen, Gott aber findet nichts Passendes für ihn.

Ich stelle mir das immer bildlich vor: Da kommen die Giraffen. Mensch sitzt auf einem Stein und überlegt, wie sie heißen sollen. Und Gott sieht: Schon die Größe passt ja gar nicht! Schildkröte? Elefant? Affe? Sieht alles irgendwie ganz anders aus. Passt nicht. Was kann man da tun?

Gott lässt Mensch tief einschlafen – heute heißt das Narkose – und operiert ihn. Eine Rippe nimmt er und formt daraus eine ganze Frau. Und der Mensch, der Namen gibt, nennt sie Menschin, Adama. Und er freut sich, dass sie von seiner Art ist, Teil von ihm, aus dem gleichen Material. Beide sind nackt und keiner hat ein Problem damit.

Und dann kommt die Schlange.

Ein bisschen erinnert mich das an etwas. Alles ist fertig, alles ist gut, man hat sich Mühe gegeben und etwas einfallen lassen – und dann geht alles den Bach runter. Eine Kleinigkeit nicht auf dem Schirm gehabt – Bingo. Und: Jedes Verbot scheint einen unwiderstehlichen Reiz auszuüben. Funktioniert immer. Jeder kleine und große Mensch kann da mitreden – über sich und über andere.

Ein bisschen denke ich auch: Typisch Mensch. Denn was jetzt kommt, ist ein Klassiker. Kurz gesagt: Ich war´s nicht. Jeder Mensch kennt und macht das: Sich herausreden, Verantwortung ablehnen, bloß keine Fehler zugeben. Alles immer richtig machen – ein Traum. Die EINE richtige Wahrheit finden – ein Kunststück.

Die weisen Menschen, die die Geschichten der Bibel zusammengetragen haben, haben anders gehandelt. Sie haben zwei Schöpfungsgeschichten kommentarlos hintereinander gesetzt; denn in beiden fanden sie Spuren Gottes. Ein gutes Modell für uns.

Und dann ist da noch die Weihnachtsgeschichte als eine Geschichte vom Anfang. Auch dieser Anfang war nicht einfach. Er war, wie es in unserer Welt ist: holprig, beschwerlich, ätzend.

Ja, wir sehnen uns nach der EINEN Wahrheit und nach dem einfachen Leben. Weil wir so verunsichert sind, so viele Stimmen uns rufen und anreden, so viele Mitteilungen uns bewegen. Mitten hinein lesen wir diese Geschichten – und sehen: Gott hat tausend Wege, zu uns zu kommen. Er ist der Eine, Wahre, der Anfang von allem. Wir können locker lassen – Gott sucht und findet uns. Und warum? Aus reiner Liebe. Amen.

GEBET

Gott, ewiger, barmherziger Vater.

Wir beten zu dir – anders als sonst und doch genauso.

Denn du bist der Gott, der war, bevor die Erde war.

Und du wirst sein, wenn wir alle schon lange nicht mehr sind.

Du hast geschaffen, erdacht, gemacht, geformt.

Du hast uns nach deinem Bild geschaffen – als Gegenüber und als Miteinander.


Du hast deinen Sohn in unsere Welt geschickt. Allein das ein reiner Akt der Liebe. Eine Liebesbotschaft an uns alle.


Heute bitten wir dich:

Stärke unsere Gelassenheit auch und gerade in dieser Zeit der Belastung durch eine weltweite Pandemie.

Gib uns innere Ruhe, denn Du bist bei uns, unverlierbar, als Freund und Begleiter, du Gott der Liebe. Amen.


Es grüßt Sie herzlich,

Pfarrerin Heidrun Strippel

X
X
X
X