Andacht zum 2. Sonntag nach Epiphanias

15 Jan
0

Liebe Leserinnen und Leser,

der für den 2. Sonntag nach Epiphanias vorgeschlagene Predigttext steht im Evangelium nach Johannes, Kapitel 2,1-11:

Die Hochzeit zu Kana

1Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die
Mutter Jesu war da. 2Jesus aber und seine Jünger waren auch zur
Hochzeit geladen. 3Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu
zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. 4Jesus spricht zu ihr:
Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht
gekommen. 5Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut.
6Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach
jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß.
7Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten
sie bis obenan. 8Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem
Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. 9Als aber der Speisemeister den
Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam
– die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der
Speisemeister den Bräutigam 10und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst
den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast
den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
11Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa,
und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.


Was für ein Fest muss das gewesen sein: Da feiert das ganze Dorf nach orientalischem Brauch eine Hochzeit über mehrere Tage. Alles ist gut. Doch dann bemerkt Maria, dass die Diener verlegene Blicke austauschen. Der Wein ist ausgegangen! Eine Katastrophe. Maria weiss: Jesus kann helfen, auch wenn der sich zunächst einmal schroff abwendet.

Und dann spricht Jesus direkt mit den Dienern: Füllt die Wasserkrüge, die dort stehen, dann schöpft einen Becher daraus und bringt den dem Speisemeister.

Dieses war das erste Zeichen, von dem der Evangelist Johannes berichtet. Das war eine Feier, Jesus verwandelte rund 600 Liter Wasser zu Wein. Das Fest kann also weiter gehen, der Bräutigam als Verantwortlicher, der das wahrscheinlich noch gar nicht mitbekommen hat, muss nicht voller Scham verkünden, dass es ab sofort nur noch Wasser gibt – da kann man ja auch gleich die Gäste nach Hause schicken.

Ich kann mich an keine Hochzeit erinnern, bei der so eine Menge Wein getrunken wurde, erst recht nicht im vergangenen Jahr, wo viele Hochzeiten gar nicht oder nur im kleinen Rahmen stattgefunden haben. Und wenn wir wie im Moment nur mit wenigen Menschen zusammen kommen dürfen, dann erübrigt sich die Frage, wann denn nun das nächste große Fest stattfinden wird.

Hätte man nicht für diese Zeit einen anderen Predigttext aussuchen sollen, einen Text, der uns nicht etwas, was gerade unmöglich ist, vor Augen führt?

Wenn ich zu einer Feier eingeladen werde, dann doch deshalb, weil der, der einlädt, mich mag, mit mir verwandt oder befreundet ist. Er macht unser Verhältnis zueinander für alle deutlich. Bei der letzten Hochzeit, zu der ich eingeladen war, stellte das Brautpaar die Gäste vor. So wurde das Verhältnis zwischen Brautpaar und Gästen sichtbar (aha, das sind die Cousinen, das sind Freunde, Onkel oder Tanten, …). Jeder Gast war wichtig und wurde deshalb auch vorgestellt.

Jesus nahm oft an Feiern oder Gastmahlen teil, was ihm auch den Vorwurf, er sei ein Fresser und Säufer einbrachte. Aber er war den Menschen wichtig und nahm andererseits auch die Gastgeber und andere Gäste, auch wenn es offensichtlich Zöllner und Sünder waren, wichtig.

Der Evangelist Johannes erzählt diese Geschichte nicht, um am Anfang von Jesu Wirken ein Ausrufezeichen zu setzen. Der Fortgang der Geschichte legt eher nahe, dass die meisten der Anwesenden überhaupt nichts von dem „Weinwunder“ mitbekommen haben.

Viel mehr glaube ich, dass Johannes uns auf etwas ganz anderes hinweisen möchte: Jesus weiß ganz genau, dass eine solche Feier die Ausnahme im dörflichen Leben der Menschen ist, aber er weist, ohne es auszusprechen darauf hin, dass er selbst es ist, der uns zu einer ganz anderen Feier, zur Gemeinschaft mit Gott, einlädt. Einer Feier, die er selbst auch immer wieder mit einer Hochzeit vergleicht. Mit Jesu Kommen in die Welt hat diese Feier begonnen, immer wieder leuchten wie Kerzen Momente dieser Feier, unserer Gemeinschaft zu Gott und zum Nächsten, auf. Diese Momente zeigen sich, wo sich Liebe bahnbricht, Menschen sich verzeihen, Menschen miteinander teilen. Aber auch, wo wir die Gemeinschaft mit Gott erleben, im Abendmahl, im Gottesdienst und in vielen Begegnungen in der Gemeinde und im Dorf.

Wir machen gerade eine gewaltige Durststrecke durch. Wir dürfen nicht als Christen zusammen kommen, um zu feiern, um Gott gemeinsam zu loben. Umso mehr sollen wir auf das schauen, was in Zeiten von Kontaktbeschränkungen möglich ist und unsere Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Wenn meine Kinder mit der Oma Quizduell am Handy spielen, ist das Verbundenheit; wenn jemand, der jahrelang keinen Füller mehr in der Hand hatte, beginnt Briefe zu schreiben, kann das viel bewirken. Wenn wir als Familien regelmäßig zu den Mahlzeiten zusammen kommen, erleben wir Gemeinschaft. Wenn Menschen in unseren Dörfern auf andere achten, helfen wo es nötig und möglich ist, tragen wir die Liebe in die Welt. Und wenn wir alle zum gegenseitigen Schutz beitragen, sollte das kein Grund zum Jammern sein. Lassen Sie uns das tun, was im Moment geboten ist in der Hoffnung, dass wir auch wieder gemeinsam feiern dürfen.

Übrigens macht Jesus schon im nächsten Abschnitt im Johannesevangelium klar (das ist das Gespräch zwischen Jesus und Nikodemus), dass die Gemeinschaft mit Gott kein Ende findet, dass sie über die Grenze der Finsternis und des Todes hinausgeht, denn so heißt es dort:

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn
dahingab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern
das ewige Leben haben.


Segen

Keinen Tag soll es geben,

an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich hält.

Keinen Tag soll es geben,

an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich schützt.

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: Niemand ist da, der mich liebt.

Der Friede Gottes,

der höher ist als alle Vernunft,

bewahre dein Herz und alle deine Sinne

in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen


Viele Grüße und eine gesegnete Woche, Jürgen Dietermann

X
X
X
X