Der biblische Text für den heutigen Sonntag, den 1. Sonntag nach Epiphanias, nimmt den Gottesdienst im Alltag in den Blick. Das passt insofern gut in unsere Zeit, da unsere Gottesdienste gerade anders stattfinden: Zum einen in der Telefonkirche und eben – wie sonst auch – an jedem Tag in der Woche: im Alltag. Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom:

Verlasst euch auf Gottes Mitgefühl und bringt eure Körper als lebendige und heilige Gabe da, an der Gott Freude hat. Das ist euer vernunftgemäßer Gottesdienst. Überfordert euch nicht bei dem, wofür ihr euch einsetzt, achtet auf eure Grenzen bei dem, was ihr vorhabt. Denn Gott hat jedem und jeder ein bestimmtes Maß an Kraft zugeteilt, Vertrauen zu leben. (Röm 12,1-3)

Als Christinnen und Christen leben wir unseren Glauben nicht nur sonntags in der Kirche, sondern der Glaube trägt unser ganzes Leben. Bringt eure Körper, die ganze Existenz, euer ganzes Leben – so wie es eben gerade ist, mit allen Fragen, Sorgen und Zweifeln – als Gabe da, an der Gott Freude hat. Nicht aufopfern ohne Sinn und Verstand, ohne Rücksicht auf Verluste und eigene Grenzen, sondern da wir ohnehin schon sind, mit den Menschen, mit denen wir sowieso zusammenleben, das tun, was wir gut können und was anderen hilft. Ganz im Leben und zugleich ganz auf Gott bezogen, das geht vielleicht dann so: Die Lieder, die wir gerne mitsingen, sind wie ein „Gloria“, den Schmerz, den wir beim Nachrichtenlesen spüren, ist wie ein „Herr, erbarme Dich“, die Augen, die hinter den Masken andere Menschen anstrahlen, sind wie ein „Friede sei mit Dir“, das Blumengießen ist wie eine Erinnerung an unsere Taufe, alle Worte, die Kraft geben, sind wie eine kleine Predigt.

Verlasst euch auf Gottes Mitgefühl. Bringt eure Existenz, euer ganzes Leben vor Gott. Vertraut, dass Gott euch die Kraft gibt zu vertrauen. Das genügt.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar