Die Jahreslosung gilt vielen Christen als Leitvers für das neue Jahr. Der biblische Vers für 2021 steht im Lukasevangelium:

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lk 6,36)

„Barmherzigkeit“, „barmherzig sein“ oder „sich barmen“ sind Worte, die ein bisschen aus der Mode gekommen sind. „Es barmt mich“ meint z.B. ein zutiefst menschliches Gefühl, das aus dem Innersten kommt. „Es barmt mich“ – das ist die Antwort auf das Leid der Welt: bereit zu sein zum Mitleid. Sich „barmen lassen“ lässt sich nicht verordnen oder behördlich vorschreiben. Und schon gar nicht kann oder soll Barmherzigkeit an Stelle von Recht und Gesetz treten. Und doch läuft menschliches Handeln ohne Barmherzigkeit Gefahr, zutiefst unmenschlich zu werden.

Sich „barmen lassen“ führt mitten zum Herzen des christlichen Glaubens. Barmherzigkeit ist einer der Namen Gottes. Mehr noch: Gott selbst ist das Erbarmen. Deswegen kommt er zu den Menschen und wird selbst Mensch. Er kommt in einem unbedeutenden Landstrich zur Welt, Bethlehem, einem Witz am Rande des Römischen Reiches. Er wird hineingeboren in Familienverhältnisse, die reichlich unorthodox sind und wächst im Umfeld kleiner Leute auf. Er geht zu den Kranken und Verachteten; es zieht ihn an die Ränder der Gesellschaft – von dorther ist seine Botschaft zu verstehen.

Wo Menschen sich „barmen lassen“, wo Menschen barmherzig sind, wird etwas von Gottes Erbarmen sichtbar. In diesem Sinne verstehe ich auch, was der Evangelist Lukas Jesus in der Feldrede sagen lässt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ Um es für die hell werden zu lassen, auf deren Leben Schrecken, Angst, Krankheit und Tod liegt. Sich „barmen lassen“ verändert – mich selbst und die Welt.

Amen.

Ein gesegnetes Neues Jahr! Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar