Liebe Sonntagsgrußleserin, lieber Sonntagsgrußleser

In dem Predigttext für den heutigen 2. Advent geht es um Geduld. Er steht im Jakobusbrief 5, 7-8, dort heißt es:

7 So seid nun geduldig, Brüder und Schwestern, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. 
8 Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe. 

Im Hintergrund steht dabei eine Frage, die für uns heute keine Rolle mehr spielt, im 1. Jahrhundert jedoch die Christen sehr beschäftigt hat: Die Frage der Naherwartung; Jesu Jünger, aber auch Paulus und Jakobus haben erwartet, dass Jesus nach seiner Auferstehung und Rückkehr zu Gott noch zu ihren Lebzeiten zurück auf die Erde kommen und Gottes Reich errichten werde. Diese Erwartung wurde jedoch enttäuscht.

In den beiden Versen versucht Jakobus zwei Dinge klarzustellen. 1. Gebt die Hoffnung nicht auf! Christus kommt wieder und zwar bald. 2. In der Zwischenzeit braucht es die Geduld und Gelassenheit des Bauern, der die Saat ausbringt und dann wartet; Frühregen und Spätregen geschehen lässt, bis die Ernte möglich ist.

Die Frage: Was gibt Orientierung in einer Zeit der Erwartung? verbindet diese Verse aus dem Jakobusbrief mit dem Advent, der ja ebenfalls eine Zeit der Erwartung und Vorbereitung ist. Die vertrauten Rituale der Adventserwartung– das Öffnen der Türchen des Adventskalenders oder der Adventskranz, an dem jeden Sonntag eine weitere Kerze angezündet wird, stehen jedoch im Kontrast zu einer Einstellung, die sich in dem Satz zusammenfassen lässt „Ich will alles, und zwar sofort!“. Sie steht jedoch auch im Gegensatz zu unserem Wissen, dass sich die Lösung mancher Probleme eben nicht aufschieben lässt. Bis wir eine Impfung haben um das Coronavirus in den Griff zu bekommen müssen wir tun was uns jetzt möglich ist.

Ich verstehe Jakobus so: Er leitet uns an zu einer Unterscheidung. Einerseits fest damit zu rechnen, dass Jesus Christus gekommen ist und bei uns ist und wiederkommt; das gibt Vertrauen und Gelassenheit. Andererseits ist es wichtig, die Probleme dieser Welt anzupacken. Jetzt. Wir leben mit dieser Spannung: Zu tun, was wir tun können, und gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass Christus, wenn er wieder kommt, diese Welt viel grundlegender erneuern wird als wir es können.

Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen

Ralf Menk, Lektor, Evangelische Kirchengemeinde Hochstadt