Alle reden vom Abstand halten, aber wie kommt man sich eigentlich nahe?

Mit dem Smartphone in der Hand und „Alexa“ im Zimmer ist man doch sowieso ständig verfügbar und ansprechbar und irgendwie kontrolliert. In diesen Zeiten ist eine echte Privatsphäre eher schwierig. Hocken wir nicht trotz allen Abstandsgeboten viel zu dicht aufeinander?

Zugegeben, dass mir jemand auf unangenehme Weise körperlich zu nahe kommt, ist selten geworden. Aber auch im Inneren brauche ich doch Raum. Diesen Raum, in dem ich mir überlegen darf, wie ich bin und wie ich sein möchte. Natürlich geht es nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme. Aber dann brauche ich auch Raum, in dem ich mich nicht nach anderen richten muss. Einen ganz eigenen Raum, in dem mir niemand ins Wort fällt. Menschen braucht es, die nicht gleich beleidigt sind, wenn ich eine Zeit lang nicht anrufe.

Ein wirklich naher Freund lässt mir den Raum, so zu sein, wie ich bin. Ohne mir zu nahe zu treten, lässt er mir meinen Privatbereich. Ich darf auch mal absagen, ohne dass es unserer Nähe etwas anhaben kann. Ein verlässlicher Freund weiß um diesen gesunden Abstand. Und ist dann doch für mich da. Sich nahe kommen, sich vertraut sein, geht nur mit solcher Form von Abstand.

Ich wünsche Ihnen, dass es auch in diesen Wochen gelingt, Nähe aufzubauen und Vertrauen zu pflegen! Ihre Pfarrerin Solveig Engelbert