Ich kenne den Krieg nicht. Ich habe aus Büchern darüber gelesen und meine Großeltern haben mir davon erzählt. Ich kenne Bilder aus dem Fernsehen. Frieden ist für mich und viele meiner Generation eine Selbstverständlichkeit geworden. Doch das ist er nicht: Wie gefährdet Frieden ist, können wir täglich durch die Nachrichten erfahren.

Volkstrauertag – dieser Name bezieht sich auf die Trauer, die die unzählig vielen Toten der großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts bei uns auslösen muss. Wir kennen die Trauer um einen Menschen, doch es waren Unzählige – viele hatten ihr Leben noch nicht gelebt. 17 Millionen Menschen verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Etwa 60 Millionen Menschen sind im Zweiten Weltkrieg gestorben. Und seitdem sind mehr als 60 Millionen weitere Menschen an den nachfolgenden Kriegen auf unserer Erde ums Leben gekommen. Auch Deutsche. Auf dem Gelände des Bundesverteidigungsministeriums steht ein Ehrenmal für die Toten der Bundeswehr. 3200 Männer und Frauen, seit 1955. Für Frieden, Recht und Freiheit.

Es geht an einem Gedenktag wie diesem heute darum, inne zu halten. Es geht darum, dass wir genau hinschauen, was gewesen ist, was geblieben ist, was wir daraus lernen.

Im Kirchenjahr heißt der Sonntag heute, der Volkstrauertag, „VORLETZTER Sonntag im Kirchenjahr“. Es ist der Vorletzte. Vielleicht sollen wir an diesem Tag, der ja nicht nur der „Volkstrauertag“, sondern auch der „vorletzte Sonntag im Kirchenjahr“ ist, daran denken, dass all das Leid schrecklich ist, aber eben auch das Vorletzte. Das Leid und der Tod haben nicht das letzte Wort.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar