Wenn ich Zweifel daran bekomme wofür wir beim Blick auf diese chaotische Welt überhaupt danken können, erinnere ich mich immer an die Worte eines Landwirts: „Danken hängt nicht von der Menge der Ernte ab.“ Seine Worte lassen mich nicht los. Für mich spricht daraus eine Haltung, die ich nicht selbstverständlich finde. Viel selbstverständlicher, weil ich es öfter höre, und es auch von mir selbst kenne, ist doch das Klagen darüber, dass es nicht reicht. Dass es mehr hätte sein können. Noch optimiert werden könnte. Für Viele ist das Streben nach Mehr die selbstverständliche Haltung: Höher-Schneller-Weiter.

„Danken hängt nicht von der Menge der Ernte ab.“ Zu danken – das gehört für den Landwirt dazu. Für alles, was er empfangen hat. Ja, in der Ernte war es nicht so viel, wie in den vergangenen Jahren. Auch er hat sicher mehr erwartet. Hätte mehr gebrauchen können. Aber das Danken, das hängt für ihn nicht davon ab. Er hat gearbeitet. Er hat geerntet. Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür dankt er.

Dankbarkeit, die spüre ich in bestimmten Situationen. Neben dem „Danke“ sagen ist Dankbarkeit für mich auch eine Lebenshaltung. Die Frage danach, wie ich eigentlich im Leben stehe. Ob ich mein Leben und das, was mir geschieht, für selbstverständlich halte. Eine Lebenshaltung der Dankbarkeit zu haben, bedeutet zu leben in dem Wissen: Mein Leben verdanke ich nicht mir selbst. Die Luft zum Atmen, das Wachsen und Gedeihen, die Liebe, die Menschen an meiner Seite, die sternenklaren Nächte. Das bekomme ich geschenkt. Dafür danke ich Gott.

Bleiben Sie behütet!

Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar