Kirche an anderen Orten

01 Okt
0

Kreissynode setzt per Videokonferenz neue Impulse für Arbeitsbereiche der Funktionspfarrer

Erstmalig fand die Herbstsynode des evangelischen Kirchenkreises Hanau als Videokonferenz statt. Insgesamt 88 Teilnehmende schalteten sich digital zu und nahmen von Zuhause aus am Geschehen teil. Neben dem Bericht des Dekans Dr. Martin Lückhoff stand inhaltlich das Thema „Kirche an anderen Orten“ auf der Tagesordnung. Um 18.30 Uhr konnte der im März neu in das Amt gewählte Vorsitzende der Kreissynode, Jörg Otto, die Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Kirchenvorstände der evangelischen Gemeinden am Bildschirm begrüßen und die Beschlussfähigkeit feststellen. Das Grußwort sprach Pröpstin Sabine Kropf-Brandau, die aus Bad Hersfeld zugeschaltet war. Sie dankte allen Ehrenamtlichen und Pfarrern für ihren außerordentlichen Einsatz und ermutigte, mit Kirche weiterzugehen, auch wenn dies nicht immer auf vertrautem Terrain geschehe.

Die „Funktionspfarrerinnen und -pfarrer“, die außerhalb der Gemeinde an anderen Orten tätig sind, stellten ihre Arbeitsbereiche vor. Dass „Kirche mehr ist als der Sonntagsgottesdienst“, wurde während der Einführung deutlich. Die zehn, sehr unterschiedlichen Aufgabengebiete zeigen auf, wie die Kirche bereits die Differenzierung der Gesellschaft nachvollzogen hat. Mit Covid-19 haben sich Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich verändert. In kleinen Gesprächsrunden reflektierten deshalb Funktionspfarrerinnen und -pfarrer gemeinsam mit Synodalen die Entwicklungen, um auf künftige Herausforderungen theologische antworten zu können.

Erst seit Januar dieses Jahres, hat beispielsweise Margit Zahn als Funktionspfarrerin die Arbeitsstelle „neue Kasualien“ inne. Hier geht es unter anderem um Fragen, wie Taufen oder kirchliche Hochzeiten „an anderem Orten“ stattfinden können. Im Gegensatz hierzu verantwortet Pfarrer Bernd Laukel seit über zehn Jahren als Geschäftsführer des regionalen Diakonischen Werkes diesen Arbeitsbereich. Er merkte an, dass die Problemlagen komplexer werden. Mit der Klinikseelsorge in den beiden Hanauer Häusern sind betraut Pfarrer Hans-Joachim Roth, die Pfarrerinnen Simone Heider-Geiß und Beatrice Weimann-Schmeller, der zudem die Altenheimseelsorge besonders am Herzen liegt. Die Pfarrer sehen sich als „Brückenfunktion“, sie repräsentieren Kirche bei den Menschen am Krankenbett, in der Psychiatrie oder eben im Altersheim. Die Pandemie stellt gerade diese seelsorgerische Aufgabe vor fast unlösbare Herausforderungen, weil Trost und Beistand mit zwei Meter Abstand kaum möglich sind.
Kirche am anderen Ort stellte Dr. Siegfried Krückeberg vor, der für die evangelische Kirche im Rundfunk Sendungen konzipiert. Dr. Anke Kaloudis vom Religionspädagogischen Institut und Pfarrer Martin Beinhauer machten deutlich, dass Schule einer der wenigen Orte ist, an denen über religiöse Fragen gesprochen wird. Viele Themen, die Jugendliche beträfen, ließen sich auch vom Glauben her betrachten. Eine Frage sei beispielsweise, wie man mit Vielfalt umgehe, um ein gutes Miteinander zu haben. Die Erwachsenenbildung verantwortet seit 2016 Dr. Steffen Merle, Leiter des Evangelischen Forum plus, der mit Seminaren und Vorträgen die Schnittstelle Kirche und Gesellschaft thematisiert. Pfarrer Daniel Geiß aus Neuberg vertritt für den evangelischen Kirchenkreis das Aufgabenfeld Spiritualität, während Stefan Weiß Kirche im Bereich Klima und Umwelt repräsentiert. Stefan Axmann ist mit „City Pastoral“ an vielen Orten in Hanau unterwegs, unter anderem im Forum oder auch digital, mit Livestreaming Gottesdiensten des Kirchenkreises. In den digital geschalteten Gruppenchats setzten die Synodalen erste Impulse für neue Angebote und Formate, die in den einzelnen Bereichen weiter erarbeitet werden.

In seinem kurz gehaltenen Bericht ging Dekan Dr. Martin Lückhoff auf die digitale Transformation ein, eine Entwicklung, sich in der Kirche beschleunigt vollzieht. Der Dekan verwies auf die neue kirchliche Verfassung, die ab 2022 gelte. Damit verbunden sei auch eine andere Zuweisung der Budgets. Es gebe insgesamt weniger Geld für die Gemeinden, aber mehr Gestaltungsfreiheit und mehr Aufgaben auf regionaler Ebene. Zudem, so Lückhoff, werde man sich intensiv mit dem Gebäudebestand beschäftigen. Hierbei geht es um die Frage, welche Gebäude bei sinkendem Budget künftig erhalten werden können.

Text und Bild links: Ulrike Pongratz
Bild rechts: Screenshot (Jens Heller)

X
X
X
X