In den Konfirmationsgottesdiensten am Sonntag wird die Band unserer Kirchen- gemeinden ein Lied mit den Worten „Du bist ein Gott, der mich anschaut. Du bist die Liebe, die Würde gibt.“ singen:

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Die Worte stammen aus dem 1. Buch Mose (1.Mose 16,13). Hagar, eine junge ägyptische Frau auf der Flucht, wendet sich an Gott. „Du siehst mich“ drückt ihre Dankbarkeit aus, von Gott wahrgenommen zu sein, während andere sie missachten und ihr Unrecht tun. Es ist Gott, der Hagars Elend sieht, ihre bedrohliche Lage wahrnimmt und ihr eine gute Zukunft verspricht. Dem biblischen Text liegt eine konflikthafte Familienkonstellation zugrunde, aus der die gedemütigte Sklavin Hagar von Gott gerettet und letztlich in die Freiheit geführt wird.

Der biblische Text stellt Gottes Achtsamkeit in den Mittelpunkt. Wen Gott sieht, den oder die lässt er nicht im Stich. Das erweist sich auch in zwischenmenschlichen Beziehungen als Not wendend. Wo Menschen achtsam sind, wo sie die Not anderer sehen und sie nicht außer Acht lassen, verachten oder missachten, da wird das Leben trotz aller Mühen lebenswert, da weicht die Verzweiflung und es sprudeln Quellen der Hoffnung.

Der biblische Text fordert heraus zu einem wohlwollenden Blick auf die marginalisierten anderen – und auch zu einem kritischen Blick auf die eigene Verstrickung in ungerechte Verhältnisse und zu einer Hoffnung, von Gott gesehen, wahrgenommen und gerettet zu sein.

Bleiben Sie behütet! Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar