Pfarrerin Johanna Ruppert über neue Herausforderungen und die besondere Bedeutung der diesjährigen Konfirmation.
Nicht nur die evangelische Kirchengemeinde Kilianstädten/Oberdorfelden, sondern fast alle Gemeinden haben die Konfirmation von Mai auf die Monate September oder Oktober verschoben. Doch nicht nur der Zeitpunkt macht diese Konfirmation 2020 zu einer ganz besonderen.

Mitte März, als im landesweiten Shutdown Schulen und Einrichtungen geschlossen wurden, fand auch der Konfirmandenunterricht ein abruptes Ende. Etwa vier Wochen vor dem ursprünglich vorgesehenen Termin gab es keinen direkten Kontakt zu den Konfirmandinnen und Konfirmanden mehr. „Auf Empfehlung der Landeskirche haben wir die Konfirmation in den Herbst verlegt. Damals ging man davon aus, es gäbe eine Zeit nach Corona.“, so Ruppert. In Kilianstädten ist beispielsweise das gemeinsame Konfi-Wochenende zum Thema Nachhaltigkeit – ein „cooles Projekt“ – ist ausgefallen.
Mit dem neuen Schuljahr setzte auch Pfarrerin Ruppert die Vorbereitung zur Konfirmation fort. „Wir planen mit Corona. Wie in vielen anderen Bereichen auch, ist vieles mit mehr Aufwand verbunden.“ Die Konfis trafen sich häufig in kleinen Gruppen mit je drei bis vier Jugendlichen. Von Vorteil war, dass die Vorbereitung dadurch sehr intensiv war. „In der Phase kurz vor dem Segnungsgottesdienst sprechen wir vertieft über die Bedeutung der Konfirmation.“, sagt Ruppert. „In der Kleinteilung ist mehr möglich. Wir haben sehr viel und tiefgreifend diskutiert. Ich konnte die Konfis verstärkt in die Planung der Gottesdienste miteinbeziehen. Die Jugendlichen haben beispielsweise ihr eigenes, gemeinsames Glaubensbekenntnis geschrieben, Lieder ausgewählt und eine Sängerin eingeladen.“
Die Konfis in Kilianstädten und Oberdorfelden haben sich erstaunlich flexibel und nach außen gelassen gezeigt. An ihrem ursprünglichen Konfirmationssonntag hatten sie von ihrer Pfarrerin ein kleines Geschenk und einen aufmunternden Brief erhalten. Gleichzeitig haben die Jugendlichen erfahren, dass sich plötzlich alles ändern kann, dass der gewohnte Alltag nicht mehr funktioniert. „Da war auch viel Angst im Spiel. Zu erfahren, dass die Beziehung zu Gott bleibt, dass dieser Pfad sicher ist, haben die Jugendlichen sicher sehr eindringlich erfahren: Vieles ist unvorhersehbar, von heute auf morgen kann alles anders sein. Aber – Gott ist beständig, diese Beziehung bleibt.“ Die gemeinsame Gestaltung der Kerzen kurz vor dem Segnungsgottesdienst fand in der Kirche statt, denn nur sie ist groß genug, um für alle 13 Konfis Platz zu bieten.
An den kommenden Sonntagen, am 13. und am 20. September, werden jeweils zwei Segnungsgottesdienste stattfinden. Nur die Familien feiern, die Gemeindemitglieder bleiben draußen. „Alle Teilnehmer sind angemeldet und die Sitzplätze eingeteilt.“ Ein wenig zittere sie dennoch, so Pfarrerin Ruppert, ob alles so klappen wird. Sie wird „ihre“ Konfis mit Abstand und mit Maske segnen. „Die Konfirmation wird auf jeden Fall stattfinden, sagte die Pfarrerin, „und, wenn wir auf den Sportplatz gehen.“