„Neue Dinge erfinden, ich kann es nicht, etwa Flugzeuge, die auf silbernen Flügeln dahinsegeln. Aber heute in der Frühe – da wurde mir ein Gedanke geschenkt, ein wunderbarer Gedanke, und die abgeschabten Stellen meines Kleides, die wurden auf einmal schön, leuchtend von einem Licht, das vom Himmel fiel, wie Gold und Silber so hell und wie Bronze, Lichter aus himmlischen Fenstern“1 – Das, was Tojohiko erfährt, ist nicht von dieser Welt. Für ihn scheint der Himmel durch. Und er ahnt, dass da mehr ist, als er weiß und verstehen kann. Ja, manchmal ist Gott so nahe – und wir meinen ihn hier und heute greifen zu können. Das Herz wird weit und kann die Geborgenheit kaum fassen. Manchmal. Vielleicht war es ein solcher Moment, als der Taubstumme im Evangelium zum heutigen Tag auf Jesus trifft. „Sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege. Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: „Hefata!“, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.“ (Mk 7, 32-35)

Was für eine intensive Begegnung wird uns in dem Evangelium vorgestellt? Der Taubstumme und die Berührung Jesu – dort, wo seine Krankheit steckt: Jesus legt ihm die Finger in die Ohren und berührt die Zunge des Taubstummen mit seinem Speichel. Eine ganz intensive, ja schon fast zärtliche Begegnung – so malt der Evangelist Markus die Begegnung am Galiläischen Meer im Gebiet der Zehn Städte.

„Hefata – Öffne dich“ Und sogleich tun sich die Ohren auf und die Fesseln seiner Zunge lösen sich und er redet – richtig. Er erzählt und kann nicht mehr schweigen von dem, was er mit Jesus erlebt hat.

„Ja, manchmal ist Gott so nahe – und wir meinen ihn hier und heute greifen zu können. Das Herz wird weit und kann die Geborgenheit kaum fassen“. Für mich drücken die Zeilen des Japaners T. Kagawa in schöner Weise aus, was der Geheilte innerlich empfunden haben mag: Da hat sich ihm in der Gestalt des Jesu von Nazareth Gott so nah gezeigt – so nah, dass das Herz weit wurde und die Geborgenheit kaum fassen konnte – ein Moment, in dem es hell wurde und Licht aus himmlischen Fenstern fiel.

„Öffne mich“ – so denke (und bete) ich, als ich diese Sonntagszeilen schreibe. „Öffne mich“. Nur die Ohren? Nur die Zunge? Wo will ich meine Sprachlosigkeit überwinden? Wo will und wo bin ich ausgerufen als „Gottes Mitarbeiter“ (1. Kor 3, 9) auf dem Weg durch diese Zeit genau hinzuhören und dann auch offen und frei Stellung zu beziehen, ohne, dass ich aus lauter Sorge vor möglichen Konsequenzen, dann doch meinen Mund halte? Beispiele fallen mir bei näherem Überlegen genügend ein – sowohl in der Schule als auch im privaten Umfeld.

„Öffne mich“ – so denke, bete und gehe ich jetzt in den Tag und in die kommende Woche – nicht ohne Lob und Dank, so wie der Psalmbeter in Psalm 34,2 ihn in Worte fasst: Halleluja. Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Halleluja.

Pfarrer Andrew Klockenhoff,
Schulpfarrer an der Bertha-von-Suttner-Schule, Nidderau

1Quelle: Jörg Zink, Wie wir beten können,
© Kreuz Verlag in der Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. 2011, 194