Die Sonne scheint heiß vom Himmel. Staub liegt in der Luft, aufgewirbelt von Sandalen im heißen Sand. Unter einer schattigen Akazie sitzen sie zusammen. Jesus und die anderen. Schriftgelehrte. Sie diskutieren. Über den Kern des Glaubens, über das, was das Leben trägt. Jesus wird gefragt, welches das höchste Gebot ist. Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« (5. Mose 6,4-5). Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. (Mt 12,29-31) Jesus sagte das und schaute auf. Und es wagte niemand mehr, zu fragen, wie das geht, Gott, seinen Nächsten und sich selbst zu lieben. Anscheinend ist es gar nicht so leicht.

Vor Synagogen stehen Wachleute und jüdische Familienfeiern brauchen Polizeischutz. Manche Menschen trauen sich nicht, ihren Nachbarn zu sagen, dass sie Juden sind. Heute ist im Kirchenjahr Israelsonntag und wir denken daran, dass unser Glaube aus dem Judentum kommt und wir mit unseren jüdischen Brüdern und Schwestern verbunden sind.

Wie geht das mit dem Lieben, Jesus? Vielleicht sagst Du, es geht so: Nicht verzweifeln, an dem Elend in der Welt. Aber auch nicht einfach dran vorbeischauen. Anderen Menschen offen ins Gesicht schauen. Die Erinnerung wachhalten. Nicht zulassen, dass die Geschichte verdreht wird und neuer Hass wächst. Nicht zu schnell urteilen. Wunden heilen. Gefühle zeigen. Wie Du es uns gezeigt hast, Jesus.

Jesus, der Jude. Der seinen Gott mit uns geteilt hat. Der Eine. Aus Atem, aus Feuer, aus Dornen und verschenktem Brot. Ein Gott aus Liebe. Amen.

Bleiben Sie behütet! Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar