Sommer, Sonne, Leichtigkeit? Das ist in diesem Jahr gar nicht so leicht – so vieles liegt im Dunkeln. Wir wissen nicht, wie alles werden soll und was uns noch erwartet. Manchmal werden unsere Augen blind für das, was unser Leben schön macht, auch jetzt. Manchen fehlt im Moment der Kontakt zu anderen Menschen. Das kann auf Dauer blind für andere machen. Vielleicht braucht es jemanden, der uns neu die Augen öffnet, für das Schöne, für die anderen.

So wie einem Blinden die Augen aufgetan werden, so sollen auch uns die Augen aufgehen – für eine neue Perspektive, für ein neue Sichtweise. Das Lebensgefühl wird auch dadurch bestimmt, mit welchen Augen man durchs Leben geht. Auf die Perspektive kommt es an! Im Vorübergehen sieht Jesus einen blinden Menschen. Seine Jünger fragen ihn: Wer hat gesündigt? Dieser oder seine Eltern?

Die Frage der Jünger repräsentiert eine alte Sichtweise. Denn sie ist weit verbreitet und bestimmt das Denken und Urteil von uns Menschen. Es geht um das Denken von Schuld und Ursache.

Es ist bei uns deshalb so beliebt und verbreitet, weil es im Alltag hilfreich und notwendig erscheint, einen Schuldigen zu ermitteln. Jeder Verkehrsunfall würde zu einer unendlichen Geschichte werden, wenn man nicht den Verursacher des Unfalls ausfindig machen würde. Vielleicht ist das Schuld- und Ursachen-Denken aber auch deshalb beliebt, weil man andere auf ihre Schuld fixieren kann: „Das hast du doch selbst verursacht und verbockt“; „du musst die Suppe schon selbst auslöffeln“; „das hängt dir ein Leben lang nach“.

Jesus offenbart uns eine andere, neue Sichtweise. Er antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

Wenn wir unsere Schuld und Sünde bekennen, dann haften sie nicht mehr an uns, sie sind kein Fixpunkt mehr, sondern dann greift die große Gnade Gottes. Man kann auch sagen: Schuld und Sünde werden zu einem Ackerboden, aus dem Neues wächst. Gott sieht all unsere Schuld und Sünde, also all unseren Mist als den Stoff an, aus dem durch seine Gnade etwas Neues entsteht. Er kann auf diesem Acker durch seine Liebe Gutes wachsen lassen. Das ist die neue Perspektive.

Das Heil und die Heilung kommen von Jesus, dem Offenbarer, allein. Dazu kann es unverhofft kommen, wie bei dem Blindgeborenen in Palästina. All die Schuld und Sünde, all der Mist und Mangel ist nur der Ackerboden der Gnade des liebenden Gottes: Wo die Sünde groß geworden, dort ist die Gnade umso größer geworden. Tauchen wir ein in diese Gelassenheit! Aus all der Schuld und Sünde, aus all dem Mist und Mangel, den wir mit uns herumtragen, wird Gott etwas machen. Denn es sollen die Werke Gottes offenbar werden.

Einen gesegneten Sonntag und eine schöne Sommerzeit wünscht Ihnen Angelika Steul
(Lektorin in der Landeskirche)