Der 5. Sonntag nach Trinitatis steht im Zeichen der Nachfolge. In der biblischen Geschichte (Lukas 5,1-11) liegen zunächst Boote am Ufer des Sees Genezareth. Die zugehörigen Fischer sitzen abseits und reinigen Netze. Da drängt die Menge heran. Jesus bittet Simon, den Fischer, von seinem Boot aus zu predigen, damit die Leute ihn besser hören können. Nach seiner Predigt gibt Jesus Simon einen Arbeitsauftrag: „Fahre hinaus, wo es tief ist.“ (Lk 5,4) Es ist, als sei das ein Sinnbild für das Leben schlechthin: Gib nicht auf, schürfe tiefer, fürchte Dich nicht, vertraue Dich jemand anderem an und schöpfe Kraft aus der Tiefe.

„Fahre hinaus, wo es tief ist.“ – Rausfahren, jetzt, im gleißenden Sonnenlicht, und an einer tiefen Stelle die Netze auswerfen. Dieser Auftrag widerspricht jeg- licher Berufserfahrung des Fischers. Fischfang funktioniert so nicht. Simon und die anderen Fischer fahren trotzdem raus. Die letzte Nacht brachte keinen Verdienst, doch jetzt machen sie eine überwältigende Erfahrung: Die Netze sind voll, übervoll. Die Boote quellen über vor Fischen. „Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“ (Lk 5,11)

Ist das ein Wunder? Ja, ein großes; ein Wunder des Vertrauens. Gegen alle Vernunft fordert Jesus die Fischer auf, es noch einmal zu versuchen. Gegen alle Vernunft tun es die Jünger und dann fangen sie so viel, dass es ihnen nicht nur die Netze, sondern beinahe auch den Verstand zerreißt. Das sind Momente der Überwältigung. Gott gelingt etwas, was für unmöglich gehalten wurde. Menschen kennen diese Momente: überwältigt von einer tiefen Begegnung; überwältigt von der Schöpfung, überwältigt von einem Glück, das genau betrachtet Gnade ist – wir haben es uns nicht verdient. Dann gibt es nur noch eins: Danke sagen, oder murmeln, oder schreien. Amen.

Bleiben Sie gesegnet und behütet!
Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar