(Psalm 104,1)

Nun haben die großen Ferien also begonnen. In der Regel – also außerhalb von Corona-Zeiten – ertönt gegen Ende der 3. Stunde ein lauter Jubel in der Schule. „Endlich Ferien“, so schallt es über den Schulhof. Auch in diesem Jahr haben die Ferien pünktlich begonnen. Wohin die Schüler*innen in diesem Jahr fahren? „Wir verbringen diese Zeit in Deutschland“ – so höre ich als Antwort von vielen Jungen und Mädchen und schon werden Orte aufgezählt, die in Deutschland in diesem Sommer entdeckt werden. Worauf sie sich in den Ferien am meisten freuen, frage ich die Schüler*innen. Die Antwort kommt ohne Verzögerung und findet rege Zustimmung in der Klasse: „Endlich kein Homeschooling mehr!“

Worauf freue ich mich? Welche Erwartung verbinde ich mit den 3 Wochen Sommerurlaub? (Nein, Lehrer*innen / Schulpfarrer*innen haben keine sechs Wochen Sommerferien!)

Ich freue mich auf eine Zeit der Erholung und darauf, den Kopf für andere Dinge frei zu bekommen. Aber – und das ist doch die eigentliche Frage: Was verschafft mir wirklich Erholung? Was verschafft Ihnen Erholung und wo suchen Sie sie – im Sommer 2020?

Am Sonntag beten wir in der Telefonkirche Psalm 104. „Lobe den Herrn, meine Seele.“ Nach nur wenigen Versen in diesem Lobpsalm bekennt der Psalmbeter: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel. Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“

Der Psalmbeter schaut auf die Werke Gottes, die so groß sind.

Im Urlaub – aber nicht nur dann – besuche gerne so richtig große Städte. Mich fasziniert, was Menschen bauen und gestalten und auf welche Weise sich so das Gesicht der großen Metropolen dieser Welt permanent verändert.

Aber da gibt es noch etwas anderes, was mich fasziniert: Als ich am vergangenen Donnerstagabend nach einem heftigen Regen fast schon wieder zu Hause bin, sehe ich plötzlich vor mir – so kurz nach 21.30 Uhr – einen ganz intensiv hell angestrahlten Wald. Beim Blick zurück sehe ich eine große, tiefrote Sonne untergehen. Ich musste anhalten und stand ein paar Minuten sprachlos staunend am Wegesrand: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel … die Erde ist voll deiner Güter!“

Immer wieder entdecke ich die Schönheit der Werke Gottes und kann sie nur staunend betrachten. Das ist Urlaub und Erholung – so mitten im Alltag – egal ob auf Gran Canaria, in Hanau, Berlin, NewYork, Niederdorfelden oder Gronau.

Und während ich meine Worte auf solche Erfahrungen formuliere, bringt der Psalmbeter seine Beobachtungen mit Gott in Verbindung und sagt es mit eigenen Worten: „Lobe den Herrn meine Seele!“

Die Ferien öffnen mir aber nicht nur den Blick für die Schönheit der Werke Gottes: Die freie Zeit– egal, wo ich sie verbringe, lädt mich dazu ein, eine „stille Zeit“ zu pflegen. Eine Zeit zum Nachdenken, zum Besuch einer Kirche, zum Ausruhen, zum Gottesdienst, zum Lesen in der Bibel und auch zum Beten – zum Lob Gottes.

Wenn Sie also in diesem Jahr zu Hause bleiben, dann lade ich Sie ein rauszugehen. Sie müssen nicht weite Strecken zurücklegen. Das einzige, was es braucht, sind offene Augen und die Bereitschaft, ruhig die Seele baumeln zu lassen. Und dabei kommen Sie vielleicht auch ins Loben – so, wie es der Psalmbeter vorgemacht hat: „Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sommer und eine erholsame Zeit.

Pfarrer Andrew Klockenhoff
Schulpfarrer an der Bertha-von-Suttner-Schule, Nidderau