An diesem Sonntag („Rogate“/ „Betet“) geht es in der evangelischen Kirche um das Gebet. Was uns in den letzten Wochen wie nichts Anderes verbunden hat, ist das gemeinsame Gebet. Ja, das gemeinsame Gebet, obwohl jede und jeder für sich gebetet hat. Jeden Tag um 19.30 Uhr rufen die Glocken zum gemeinsamen ökumenischen Gebet auf. Ich habe von vielen gehört, die das Läuten der Glocken genutzt haben, um innezuhalten und zu beten, die Gott ein Anliegen anvertraut haben: eine Bitte für einen Angehörigen, ein Dankeschön für erfahrenes Gutes oder einfach ein Verweilen in der Stille. Die eine Kerze angezündet haben. Ein Lied gesungen haben. Die geseufzt haben. Bitten, danken, still werden, eine Kerze anzünden, singen, seufzen – das alles sind Gebete. Betet tut gut und verbindet uns miteinander.

Gott hört unsere Gebete – davon bin ich überzeugt. Aber erhört Gott sie auch? Ich denke, dass wir beide Erfahrungen kennen. Wir kennen das Gefühl: Gott hat geholfen. Es ist gut geworden, es hat sich etwas gelöst, ich habe neue Kraft bekommen. Und dann sind da aber auch die anderen Erfahrungen: Wir haben gebetet – und nichts hat sich verändert.

Ein großer Prediger hat mal gesagt, beten heißt „kräftig an Jesus denken“. Das klingt banal, ist es aber nicht. Es heißt, Jesus vor sich zu sehen, sich von ihm liebevoll angeschaut wissen und die eigenen Probleme darüber in den Hintergrund treten lassen. In allem Leid, in allen unbeantworteten Fragen und scheinbar nicht erhörten Wünschen, meldet sich dann manchmal im Gebet ein Getragensein, eine Gewissheit und eine Freude, die nicht von dieser Welt ist, und die das Johannesevangelium die „vollkommene Freude“ nennt.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar