Es scheint als würde Karfreitag und Ostern ausfallen. Wir können uns nicht treffen. Wir können unsere Lieben nicht besuchen. Wir können nicht wie gewohnt Gottesdienst feiern.
Was Karfreitag passiert ist, ist nicht nur ein Ereignis der Vergangenheit, sondern hat viel mit dem zu tun, was wir gerade erleben. An Karfreitag geht es um das Leiden.
Jesus wurde gefoltert und am Kreuz hingerichtet. Er hat Schmerz und Angst erlitten. Jesus hat den Abgrund erlebt und kennt jedes Leiden und die
Verzweiflung. Unsere Dunkelheit, wie dunkel sie auch sein mag, ist nicht zu dunkel für ihn – Jesus hat sie selbst erlebt.
Gott hätte es nicht gebraucht, dass sein Sohn das erleidet. Gott braucht kein Opfer. Aber Jesus zeigt uns etwas, das wir fürs Leben brauchen.
Dass sich nämlich etwas verändert, wenn ich bleibe. Es durchgehe. Den Schmerz aushalte, den ich nicht ändern kann. Weil daraus etwas Neues wachsen will.
Von Karfreitag bleibt dies:
Gewalt ist nicht mit Gewalt zu bekämpfen.
Leiden verwandelt.
Und tot bleibt nicht tot.
Das ist kaum zu begreifen. Aber die Seele ahnt: Es ist wahr.

Ich möchte schließen mit einem Gebet nach Psalm 22, das durch diese Zeit begleiten kann:

Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Sag, mein Gott, hast du mich verlassen? Steh ich jetzt alleine da?
Alleine mit meiner Angst? Alleine mit meiner Trauer?
Kann das sein – dass du mich alleine lässt?
Kann das sein, dass ich niemanden habe, der mir hilft?
Das fühlt sich so an, Gott, weil du nicht antwortest, wenn ich nach dir rufe.
Wenn ich bete und weine, weil ich doch Hilfe brauche.

Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Nachts wache ich auf – und fühle mich allein.
Jeden Morgen hoffe ich, alles wird besser.
Doch dann sind meine Tage dunkel und ich weiß nicht, was ich tun soll.
Es heißt, du würdest helfen! Die Leute sagen, du lässt keinen im Stich!
Es wird erzählt, du wendest dich den Menschen zu. Viele glauben, dass du an unserer Seite seist. Darauf will ich mich verlassen, Gott, auf dein Wort verlasse ich mich!

Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Darum: Lass dich spüren, damit die Angst vergeht.
Darum: Reich mir deine Hand, damit ich nicht alleine bin.
Darum: Höre mir zu und antworte, wenn ich nach dir rufe.
Nimm mir das Gefühl, du seist weit fort;
Lass mich merken, dass ich bei dir geborgen bin.

Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Darauf verlasse ich mich, mein Gott: Du hörst mich, wenn ich rufe!

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft,
bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen Leben. Amen.

Bleiben Sie behütet! Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar