Es sind jetzt schon einige Wochen, in denen wir uns weniger begegnen. Das Corona-Virus bestimmt unseren Alltag und wir versuchen das Beste daraus zu machen. Vielen gelingt es, diese neue Wirklichkeit gut zu gestalten: mit Struktur, Bewegung, Aufgaben und Telefonaten. Andere sind von der Außenwelt abgeschnitten, verzweifeln und leiden unter sozialer Isolation.

So muss es auch Zachäus gegangen sein: Er war ein Mensch in Isolation. Ihm wird nicht verboten aus dem Haus zu gehen und er darf auch mehr als zwei Menschen treffen, aber es gibt niemanden, der sich mit ihm treffen will. Das ändert sich, als Jesus in die Stadt kommt. Zachäus klettert auf einen Baum und ist getrennt von der Menschenmenge, die ihn nicht bei sich haben will. Jesus sieht ihn, ruft ihn bei seinem Namen und sagt: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Zachäus ist berührt und erkennt: Gott ist zu ihm gekommen, obwohl er für ihn gar keinen Platz in seinem Leben hatte.

Die Geschichte von Zachäus ist bekannt, aber gerade in diesen Zeiten können wir nicht oft genug hören, worum es hier geht: dass Gott zu uns kommt, in unsere Angst, in unsre Sorge, in unsre Einsamkeit. Dass er in unserem Haus Gast sein und in unserem Herzen wohnen will. Und dass er uns in Jesus das Versprechen gegeben hat: Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende. Wir erinnern uns an dieses Versprechen. Beim Glockenläuten am Mittag und am Abend, wo wir uns verbunden fühlen mit allen, die gemeinsam beten, und auch wenn wir uns mal einsam fühlen. Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Am Sonntag ist Palmsonntag. Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein und wird mit Palmenzweigen begrüßt. Auf einem Esel – nicht wie andere Könige auf einem hohen Ross. Sein Königreich ist nicht von dieser Welt. Er kommt bescheiden daher und macht sich klein, um allen auf Augenhöhe begegnen zu können. Er ist sich für nichts und niemanden zu schade.
Jesus zieht ein. Lassen Sie uns ihm den Weg bereiten und ihm einen Platz in unserem Leben freihalten. Durch ein Gebet und durch Zeit und Aufmerksamkeit, die wir anderen schenken. Lassen wir ihn ankommen.
Amen.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Elisabeth Krause-Vilmar