(Erlensee / pm). – Mit Anfang 60 orientiert sich Dieter Wichihowski noch einmal neu. Wo andere an den Vorruhestand denken, startet der Pfarrer aus Erlensee durch und tritt eine neue Stelle in Altenstadt an. Am kommenden Sonntag, den 1. März, wird er sich im Gottesdienst in Erlensee-Langendiebach um 14 Uhr von seiner Gemeinde verabschieden. 

„Nach 18 Jahren an einem Ort stellt man sich natürlich die Frage, welche Spuren man hinterlässt. Baulich ist das bei mir nicht so viel, nur ein Toilettenhäuschen“, flachst der Seelsorger und offenbart damit gleich mehrere Charaktereigenschaften, die ihn auszeichnen: Humor, eine Prise Selbstironie, Selbstreflexion und vor allem Bescheidenheit. Wichihowski weiß, dass es nicht darauf ankommt, sich selber Denkmäler zu setzen. Wichtiger war und ist es ihm, in Beziehungen zu investieren. In seinem bisherigen Berufsleben war er immer im Team unterwegs, sowohl mit den Kollegen als auch mit den Menschen in seinen Gemeinden. Begonnen hat er als Religions- und Gemeindepädagoge in Windecken. In Zusammenarbeit und Ergänzung mit den dortigen Pfarrern Ruprecht Müller-Schiemann und Ehepaar Ortmann war es seine Aufgabe, Jugendliche, Senioren und andere Gemeindegruppen zu begleiten. Öfters übernahm er dann auch Gottesdienste, Trauerfeiern, Taufen und Trauungen – bis der Entschluss bei ihm reifte, sich ordinieren zu lassen und voll ins Pfarramt einzusteigen. Dazu musste er Teile des Vikariats (der zweiten Ausbildungsphase) und auch noch einen Kurs für neutestamentliches Griechisch nachholen, was aber keine unüberwindliche Schwierigkeit darstellte. 

Seit 2002 versieht Wichihowski nun seinen pfarramtlichen Dienst in Erlensee, meist kombiniert mit einer Schulstelle und immer im Team. Thorsten Latzel, Helge Abel, Fritz Perels, Kathrin Klöpfel, Jost Häfner und zuletzt Claudia Gillhoff sowie Ulrike Stellmacher, das waren und sind die Kolleginnen und Kollegen in Rückingen und Langendiebach. Mit allen habe er sich gut ergänzt, so Wichihowski, vor allem in der Phase, als die evangelischen Christen beider Ortsteile zu einem Gesamtverband und dann zu einer Kirchengemeinde fusionierten. Besonders am Herzen liegt ihm das Jugendzentrum des „Team Kinder- und Jugendarbeit Erlensee“ (TKJE), eine weit über die Ortsgrenzen beachtete Kooperation von Evangelischer Kirchengemeinde und Kommune. „Aber ich will mich nicht mit fremden Federn schmücken“, wiegelt er gleich wieder ab, wenn die Sprache auf die integrative Kraft der zahlreichen Projekte kommt. Sein Vorgänger Andreas Rohnke habe das Projekt aus der Taufe gehoben, Bürgermeister Stefan Erb sei für den kommunalen „Schub“ verantwortlich. Trotzdem hätte das TKJE sich ohne Wichihowskis moderierende und motivierende Art wohl kaum so weiterentwickelt. Wenn er durch die Räume geht, hat er für jeden der Mitarbeitenden und der Jugendlichen einen persönlichen Satz parat und freut sich über das Leben, das dort im Souterrain pulsiert. Im Zuge der Umbaumaßnahmen muss die Arbeit demnächst ausgelagert werden, wird aber auf jeden Fall weitergehen. 

Pfarrer sein heißt für Wichihowski auch: improvisieren können. Weil mehr Menschen beerdigt als getauft werden und weil die Zahl der Kirchenaustritte höher ist als die der Eintritte, schwindet die Personal- und Finanzkraft der Gemeinden. Trotzdem hält er es für falsch, zu jammern. Es gelte, immer wieder neue Wege zu den Menschen zu finden und mit dem zu arbeiten, was vor Ort vorhanden sei. „Nichts ist so dauerhaft wie ein Provisorium“, schmunzelt Wichihowski mit Blick auf die Stützbalken, die eigentlich nur übergangsweise in die Diebacher Kirche eingezogen werden sollten und dort inzwischen seit 15 Jahren stehen. Aber sie stehen eben und tun, was sie sollen, nämlich das Dach stützen. Demnächst wird die Umgestaltung angegangen. Geduldig und kleinschrittig vorgehen, auch das hat Wichihowski in seiner Zeit in Erlensee gelernt. Die Verwendung mehrerer kirchlicher Gebäude – Kirche, Gemeindehaus, Kita, Pfarrhaus – zu konzipieren, aufeinander abzustimmen und bei alledem die wechselnden Anforderungen im Blick zu behalten, das brauche eben seine Zeit. Aber auch dort sieht er die Gemeinde auf einem guten Weg. 

Aufgrund des Mitgliederrückgangs und Strukturwandels muss die Kirchengemeinde nun eine halbe Pfarrstelle einsparen. Vielen, die aus der Kirche austreten, sie dies nicht so klar – sie meinten, es betreffe nur eine anonyme Großorganisation. Aber die Folgen sind unmittelbar vor Ort zu spüren. Wichihowski bedauert dies natürlich, will den Wandel aber gestalten und wagt noch einmal den Schritt in eine neue Gemeinde. Ab März beginnt sein Dienst in Altenstadt – seine Neunt- und Zehntklässler will er aber noch bis zum Schulabschluss begleiten. So wird er in nächster Zeit noch etwas pendeln müssen.

Im Team ist Dieter Wichihowski auch privat unterwegs: Sein Frau Uschi und die erwachsenen Kinder Alexander und Theresa haben seinen Weg begleitet und mit unterstützt. Derzeit freut er sich auf das vierte Enkelkind. Entspannung findet er vor allem beim Schwimmen, zweimal die Woche zwei Kilometer oder mehr. Dabei könne man wunderbar abschalten, meint er, und bekomme nebenbei doch immer mal Einfälle für Predigten und anderes. Dieter Wichihowski: Teamplayer mit Ausdauer und langem Atem.