Elisabeth-Medaille der EKKW an gehörlose Ehrenamtliche

07 Dez
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Elisabeth-Medaille der EKKW an gehörlose Ehrenamtliche für 30 und für 60 Jahre Mitarbeit im Gemeindevorstand der Gebärdensprachgemeinde Hanau verliehen – 
Festgottesdienst in Gebärden- und Lautsprache am Pfingstmontag, 10. Juni 2019, Evangelische Kirche Kilianstädten

„Der Heilige Geist macht möglich, einander zu verstehen, auch wenn man nicht dieselbe Sprache spricht“. 
In seiner Predigt am Pfingstmontag in der Evangelischen Kirche Kilianstädten erinnerte Pfarrer Dr. Steffen Merle an das Pfingstwunder vor rund 2000 Jahren in Jerusalem und forderte die Gottesdienstgemeinde zu einem Perspektivwechsel auf: „Menschen sind nicht behindert, sondern werden durch etwas behindert.“ 

Gemeinschaft über Sprachgrenzen hinweg zu erleben, wurde für die hörenden und gehörlosen Gottesdienstbesucher im inklusiven Festgottesdienst Wirklichkeit. 
Die Ev. Kirchengemeinde Kilianstädten-Oberdorfelden und die Gehörlosenseelsorge in Fulda und Main-Kinzig hatten erstmals zu einem gemeinsamen Gottesdienst in Gebärden- und Lautsprache eingeladen. 
Gebete, Predigt und Lieder waren gleichzeitig in Gebärdensprache zu sehen und in Lautsprache zu hören. 
Für die Simultanübersetzung in Gebärdensprache sorgte im Gottesdienst Gebärdensprachdolmetscherin Roswitha Wagner. 
Mit ihren fließenden und kraftvollen Gebärden rührte sie hörende und gehörlose Gottesdienstbesucher gleichermaßen.

Die Gottesdienstgemeinde erlebte typische Elemente gebärdensprachlicher Gottesdienste und erprobte miteinander ein Gebärdenlied „Frieden für dich, Frieden für mich, Frieden weltweit“. 
Dazu schwieg die Orgel und auf einmal waren alle Hände im gut gefüllten Kirchenraum in Bewegung.

Für ihr ehrenamtliches Engagement in der Gehörlosenseelsorge verlieh Gudrun Levin, Präses der Kreissynode im Kirchenkreis Hanau, die Elisabeth-Medaille der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck an Erika Reitz und Hans Luley. Beide sind jahrzehntelang im Gemeindevorstand der Gebärdensprachgemeinde Hanau aktiv. 
Präses Levin hob in ihrer sehr persönlichen Ansprache hervor, dass Erika Reitz bereits seit rund 30 Jahren und Hans Luley seit respektablen 60 Jahren im Gemeindevorstand aktiv tätig sind. 
Sie wünschte den Geehrten, dass „die Lust am Ehrenamt frisch bleibt“ und „das gute Miteinander sie weiterhin trägt.“

Wie Pfarrerin Melanie Keller-Stenzel betonte, bekamen Erika Reitz und Hans Luley die Elisabeth-Medaille als erste gehörlose Ehrenamtliche im Bereich der Gehörlosenseelsorge in Fulda und Main-Kinzig verliehen. Die Elisabeth-Medaille ist die zweithöchste Ehrung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. 
Als Gehörlosenseelsorgerin ist Melanie Keller-Stenzel im südlichen Teil des Sprengels Hanau-Hersfeld Ansprechpartnerin für gehörlose Gemeindeglieder und deren Angehörige.

Im Anschluss an den Festgottesdienst lud die Evangelischen Kirchengemeinde Kilianstädten-Oberdorfelden zu einem feierlichen Empfang bei Kaffee und Kuchen in das Gemeindehaus ein.