Sprengel Hanau - Wie kommt der Generator nach Syrien?
Wie kommt der Generator nach Syrien?
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Region Hanau. Der Kirchenkreis Hanau unterstützt ein Hospital und steht vor großen Herausforderungen.

Ihre Häuser sind zerstört, ihr Leben ist akut bedroht. Die Opfer des syrischen Bürgerkriegs suchen nicht nur im Ausland Zuflucht. Es gibt auch große Flüchtlingsströme innerhalb des Landes. In kaum einer Region ist dies so spürbar wie in der Gegend des Al-Nasara-Tals nahe der libanesischen Grenze. Dort will der Kirchenkreis Hanau bei der Ausrüstung und Unterhaltung eines Krankenhauses helfen.

Die Bergregion etwa 40 Kilometer westlich der vom Krieg zerstörten Stadt Homs sei bisher vom Krieg verschont geblieben, berichten Dr. Maher Amari (links) und Dr. Khaled Yaziji (rechts). Beide sind Ärzte im Al-Hosn-Hospital, dem einzigen Krankenhaus der Gegend, das von der griechisch-orthodoxen Partnergemeinde des Kirchenkreises Hanau getragen und finanziert wird. Die Mediziner sind gekommen, um in Hanau vorzusprechen und angesichts der prekären humanitären Lage um Hilfe zu bitten. Im Einzugsgebiet des Krankenhauses lebten zu Friedenszeiten etwa 150 000 Menschen. Durch die hohe Zahl von Vertriebenen ist die Bevölkerung auf mehr als 400 000 Menschen angewachsen. Die Kapazität des Hospitals, das gerade einmal über 80 Betten verfügt, reicht schon lange nicht mehr aus, um eine medizinische Versorgung für die Menschen zu gewährleisten. Hinzu kommt, dass immer wieder auch Verletzte von der Front zur Behandlung in das Hospital gebracht werden. Das Krankenhaus muss dringend vergrößert werden und braucht medizinisches Gerät.

„Wir nehmen jeden auf, der unsere Hilfe braucht", sagt Amari: Muslime und Christen, Menschen jedweder Glaubensrichtung. Die Feststellung, dass man ausschließlich humanitäre und keine politischen Ziele verfolgt, ist den beiden Syrern wichtig. Parteilichkeit in dem unübersichtlichen und komplizierten Geflecht von Interessen innerhalb des Landes könnte das Krankenhaus und seine Bediensteten in größte Schwierigkeiten bringen – und somit auch die Versorgung der Menschen gefährden. Die Vertriebenen haben nichts mehr: keinen Job, kein Geld, oftmals nicht einmal mehr eine Bleibe. Sie können sich eine Behandlung in Privatkliniken nicht leisten. Die Kosten für das Krankenhaus trägt allein das orthodoxe Patriarchat Antioch. Allein im vergangenen Jahr wurden im Al Hosn-Krankenhaus mehr als 1500 Menschen kostenlos behandelt.

Freundschaft besteht mehr als 20 Jahre

Schon seit mehr als 20 Jahren pflegt der Kirchenkreis Hanau freundschaftliche Beziehungen zu den orthodoxen Christen. Doch noch nie haben die Freunde aus Syrien die Hilfe so nötig gehabt wie zurzeit. „Der Krieg wird noch Jahre dauern", befürchtet Dekan Dr. Martin Lückhoff (Mitte). Die Hilfe, die der Kirchenkreis organisiert, soll kein Strohfeuer sein. Es gehe darum, auf lange Sicht feste Strukturen aufzubauen, die eine kontinuierliche und beständige Unterstützung gewährleisteten. „Wir wollen damit unseren Beitrag dazu leisten, dass Syrien eines Tages wieder ein friedliches Land wird", sagt Lückhoff. Die Form der Hilfen fußten auf drei Säulen: „Wir beten, und wir helfen mit Geld und Sachspenden", sagt der Dekan. Im Krankenhaus fehlt es an allem, auch an elementaren Dingen wie Strom. Durch den Krieg wurden wichtige Teile der Infrastruktur des Landes zerstört. Dringend benötigt wird ein Generator, der dafür sorgen soll, dass die medizinische Apparatur des Krankenhauses am Laufen bleibt. 30 000 bis 35 000 Euro kostet ein solches Gerät. 5000 Euro wurden den beiden Syrern am vergangenen Mittwoch im Rahmen der Kreissynode in Dörnigheim überreicht. Das Geld stammt aus den Kollekten, die in den Gottesdiensten der Kirchengemeinden im Kreis gesammelt worden sind.

Amari und Yaziji sind eine Woche in Langenselbold zu Gast. Gemeinsam mit Dr. Lückhoff haben sie beim Bischof in Kassel vorgesprochen, in Kliniken und Hospitälern angeklopft und auch Second-Hand-Märkte für medizinische Apparaturen abgeklappert. Gebraucht werden unter anderem ein CT- sowie ein Beatmungsgerät. Auch Labortechnik steht auf einer Liste, die streng nach Prioritäten geordnet ist. „Es hat keinen Sinn, ohne Planung Maschinen zu kaufen und nach Syrien zu liefern, wenn noch nicht einmal Generatoren zum Betrieb der Anlagen zur Verfügung stehen", meint Dr. Lückhoff. Die Hilfslieferungen sollen deshalb nach Bedarf in enger Abstimmung mit den syrischen Partnern erfolgen. Dr. Lückhoff selbst kennt das Hospital in Syrien, er war einige Male selbst vor Ort. Doch auch die Möglichkeiten des Kirchenkreises sind begrenzt. Deshalb sei es wichtig, dass die beiden Ärzte jetzt nach Deutschland gekommen seien, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie in Hanau gearbeitet werde. „Wir wollen in Syrien keine falschen Erwartungen wecken", sagt der Dekan.

Partnerschaftsausschuss in Planung

Für Dr. Lückhoff und sein Team bedeutet die direkte Hilfe für die syrischen Freunde eine große Herausforderung. Es geht nicht nur darum, finanzielle Mittel bereitzustellen und zu akquirieren. Viel schwieriger sind vor allem die logistischen Probleme, die es zu lösen gilt. Wie transportiert man tonnenschweres medizinisches Gerät von Deutschland aus in das Krisengebiet? Wer sorgt dafür, dass das Gerät bei der Ankunft im Libanon in die richtigen Hände gerät und seinen Zielort auch wirklich erreicht? Mit diesen Fragen müssen sich der Dekan und seine syrischen Partner zurzeit beschäftigen. Hilfe hat man bei Organisationen wie „Luftfahrt ohne Grenzen" oder oder der „Diakonie Katastrophenhilfe" gefunden. Sie verfügen bereits über Strukturen und Hilfskanäle, derer sich der Kirchenkreis bedienen möchte.

Im Herbst will die Kreissynode zudem ein Partnerschaftsausschuss gründen, der sich ebenfalls mit der Hilfe für Syrien beschäftigen soll. Man stehe erst am Anfang, sagt Dr. Lückhoff.

Für Spenden, die der Syrienhilfe des Kirchenkreises Hanau zugute kommen, ist ein Konto eingerichtet worden. Die Bankverbindung lautet: Kirchenkreisamt Hanau, Kontonummer 1800 108 EKK Kassel, Bankleitzahl 520 604 10. Anzugeben sind „Haushaltsstelle 3800.00.002" und als Verwendungszweck „Syrienhilfe".

Bild und Text: Holger Weber (Hanauer Anzeiger)