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Tageslosung

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Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne!
Zu Asche gewordene Geschichten
Seit vier Jahren werden auf dem Hauptfriedhof Gemeinschaftsbeisetzungen für Mittellose organisiert
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HANAU Vier Jahre ist es jetzt her, dass auf dem Hanauer Hauptfriedhof die erste Urnengemeinschaftsbeisetzung stattgefunden hat. Wenn niemand gefunden wird, der von Rechts wegen die Bestattung eines Verstorbenen veranlassen muss oder wenn das Geld fehlt, springt die Stadt ein. Seit 2013 geht jeder dieser Gemeinschaftsbestattungen eine würdige Trauerfeier voraus. Organisiert wird sie von der Friedhofsverwaltung sowie den evangelischen und katholischen Kirchen – immer am dritten Mittwoch eines Monats. Von Reinhold Schlitt

Zu Asche gewordene Geschichten
Seit vier Jahren werden auf dem Hauptfriedhof Gemeinschaftsbeisetzungen für Mittellose organisiert
Von Reinhold Schlitt
HANAU Vier Jahre ist es jetzt her, dass auf dem Hanauer Hauptfriedhof die erste Urnengemein-schaftsbeisetzung stattgefunden hat. Wenn niemand gefunden wird, der von Rechts wegen die Be-stattung eines Verstorbenen veranlassen muss oder wenn das Geld fehlt, springt die Stadt ein. Seit 2013 geht jeder dieser Gemeinschaftsbestattungen eine würdige Trauerfeier voraus. Organisiert wird sie von der Friedhofsverwaltung sowie den evangelischen und katholischen Kirchen – immer am dritten Mittwoch eines Monats.
Mittwoch, 19. April 2017 – ein Blick auf den Schaukasten des Hauptfriedhofes verrät, welche Verstorbenen heute in Hanau beigesetzt werden. Der erste Termin um 9 Uhr fällt ins Auge, weil gleich fünf Namen unter dem etwas sperrig wirkenden Begriff „Urnengemeinschaftsbeisetzung“ stehen. Fünf Menschen, die gleichzeitig beigesetzt werden? Nur wer eingeweiht ist oder regelmäßig auf die Aushänge der Friedhofsverwaltung schaut, kann die Besonderheit eines solchen Termins entdecken. An manchen Beisetzungstagen sind es drei, an anderen aber auch fünf, neun oder elf Verstorbene, deren Urnen zu Grabe getragen werden.
Der Zelebrant der heutigen Trauerfeier ist der katholische Pfarrer von St. Elisabeth, Dechant Andreas Weber. Der Geistliche und mit ihm ein Ministrant blicken auf fünf Urnen und auf Stuhlreihen, die – anders als sonst – weitgehend leer geblieben sind. Unter den lediglich vier Trauergästen befindet sich eine Pfarrerin, die zwei der Verstorbenen kannte.
Doch wer waren die anderen Menschen, die nun auf ihrem letzten irdischen Weg begleitet werden? Angehörige, die Auskunft geben könnten und die Beisetzungen hätten veranlassen und bezahlen müssen, sind nicht bekannt – nur die Namen, Geburts- und Sterbetage. Pfarrer Weber trägt die Namen einzeln vor, richtet seinen Blick dann und wann hinüber zu den Stuhlreihen. Ob bei dem einen oder anderen Namen vielleicht doch jemand reagiert? Alle wurden sie über 70 Jahre alt. Bei einer der Verstorbenen ist nicht einmal ein genaues Sterbedatum bekannt. Webers Hinweis auf die Zeitspanne, in welcher ihr Tod eingetreten sein muss, lässt ratlose Gesichter und Betroffenheit zurück. Unter welchen Umständen mag die Frau ihre letzten Stunden verbracht haben? Wer hat sie gefunden? Warum findet sich niemand, der ihre Lebensgeschichte kennt und das Andenken daran bewahren kann? Manch einem mag hier und jetzt die immer wieder aufkeimende Diskussion über die fehlende Achtsamkeit gegenüber Hausbewohnern und Nachbarn durch den Kopf gehen, vielleicht auch Schlagzeilen über Verstorbene, die man erst Tage nach dem Todeseintritt in ihren Wohnungen entdeckte, weil niemand sie vermisste oder Verdacht schöpfte. Nach dem humanistischen wie christlichen Menschenbild ist jeder Mensch achtens- und liebenswert und sowieso einzigartig – Individualität, die üblicherweise auch in einer Traueransprache herausgearbeitet wird. Doch dazu müsste man Menschen kennen, die etwas über den Lebensweg des Verstorbenen, über Lebensleistung, Glück und Enttäuschung, mögliche Schicksalsschläge, Familie, Freunde und Weggefährten wissen.
Lesung und Evangelium in dieser Woche nach Ostern handeln von der Auferstehung Jesu, sind für Christen ein Quell der Zuversicht auf ein Weiterleben nach dem Tod. Anderen, die keiner Glaubens-gemeinschaft angehören, wird zumindest deutlich, dass hier Menschen Anteil nehmen und Hinter-bliebene trösten wollen. Doch wenn keine Angehörigen oder engere Weggefährten gefunden wurden? Verstorbene sang- und klanglos unter die Erde bringen, weil sie nun einmal bestattet werden müssen? Mit dieser Beisetzungsform hat man einen guten Weg gefunden, die Würde auch dieser Menschen über den Tod hinaus zu wahren.
Nach dem ersten Teil der Trauerfeier öffnet ein Friedhofsmitarbeiter die Außentür des Abschiedsraums. Im Hintergrund erklingt „Air“, ein Satz aus Bachs 3. Orchestersuite Nr. 3 D-Dur. Der Zelebrant und die kleine Trauergemeinde machen sich auf einen endlos scheinenden Weg vom einen zum anderen Ende des Friedhofs, dahin, wo sich die Rasengrabfelder befinden. Langsamen Schrittes zieht der Friedhofsmitarbeiter den kleinen Handwagen mit den fünf Urnen vor ihnen her. Dem Trauerzug haben sich auch die Abteilungschefin der Friedhofsverwaltung, Alexandra Kinski und ihr Stellvertreter Thomas Asbach angeschlossen. Hier und da blicken Friedhofsbesucher zwischen den Grabfeldern zum Trauerzug herüber. Die Sonne spendet diesem kalten Morgen keine Wärme, aber sie lässt das junge Grün der Bäume und die Pflanzen auf den zu Ostern besonders herausgeputzten Gräbern wunderschön leuchten. Angekommen am weiten Rasenfeld geben zwei Graböffnungen und ein kleiner Erdhaufen Orientierung. Hier nun werden die Urnen ins Erdreich versenkt. Weihrauch als Ehrbezeugung für einen Verstorbenen und Symbol für die zu Gott aufsteigenden Gebete legt sich kurz über das Geschehen. Für die Beigesetzten sollen später noch kleine Messingschilder mit Namen, Geburts- und Sterbedaten an einer jener Stelen angebracht werden, an der auch die Namen anderer Verstorbener zu lesen sind. Am Ende wird – „Sozialbestattung“ hin oder her – kein Außenstehender mehr unterscheiden können, wer hier unter welchen Umständen und finanziellen Voraussetzungen begraben wurde. „Sie gehörten zu uns, waren unsere Mitmenschen und Zeitgenossen.“ Davon lassen sich die Initiatoren und Beteiligten dieser monatlichen Beisetzungen leiten.
Bei Urnengemeinschaftsbeisetzungen samt Trauerfeiern, wie sie seit 2013 in dieser Form durchgeführt werden, wird vorausgesetzt, dass die Verstorbenen „mittellos“, also arm waren oder sich niemand findet, der für ihre Bestattung aufkommt. Es geht um Menschen, die im Krankenhaus oder in einem Heim verstorben sind, die in ihrer eigenen Wohnung oder im „öffentlichen Raum“ tot aufgefunden wurden. Der seinerzeit für die Friedhöfe Hanaus zuständige Dezernent, Stadtrat Axel Weiss-Thiel, warb für diese Form der Beisetzung und brachte die rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen dafür auf den Weg. Die Kirchen waren von Anfang an dabei. Im monatlichen Wechsel leiten evangelische und katholische Geistliche aus den Hanauer Kirchengemeinden die Trauerfeiern, zelebrieren (mit geringfügigen, konfessionell begründeten Abweichungen) nach einem einheitlichen Ritus. Koordiniert wird das alles von dem evangelischen Klinikseelsorger am Klinikum Hanau, Pfarrer Hans-Joachim Roth. Die Konfession der Verstorbenen oder ihre Zugehörigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft spielen keine Rolle. Wohl aber lässt Roth vor jeder Beisetzung danach forschen, ob sich in den Gemeinden womöglich Menschen finden lassen, die etwas über die Verstorbenen und ihr Umfeld zu Lebzeiten wissen. Das klappt manchmal, häufig genug aber auch nicht. Doch es gibt auch Überraschungen. So tauchten zu einer Gemeinschaftsbeisetzung im Januar letzten Jahres wesentlich mehr Menschen auf als Sitzplätze im Abschiedsraum vorhanden sind. Elf Urnen wurden damals beigesetzt. Allein für einen der Verstorbenen waren mehr als 30 Menschen gekommen, teilweise aus der Wohnungsnotfalleinrichtung Franziskushaus, wo sie so manche Stunde mit ihm unter einem Dach verbracht hatten. Der Abschied am Grab sei so „bunt“ wie die Trauergemeinde selbst gewesen, erinnert sich der Zelebrant. Aber auch Tränen seien geflossen. Menschen, die durch ihr Leben auf der Straße hart gegen sich selbst geworden sind, hätten beim Absenken der Urne geweint. Einer habe einen Flachmann mit Jägermeister aus der Tasche gezogen und den Inhalt über die bereits abgesenkte Urne gegossen – seine Art der Ehrbezeugung. Im Franziskushaus hätten sie sogar gesammelt und einen kleinen, liebevoll gestalteten Kranz zusammengebracht, heißt es. Schwere Kindheit, viel schief gegangen und zum Schluss krank und gelb – so habe der stichwortartige Befund eines Weggefährten gelautet. Beliebt sei er gewesen und schön auch der Abschied, den man ihm hier bereitete. In ihren Kreisen hätten sie überhaupt nicht mit einer Trauerfeier gerechnet. Und dann war da die Tochter, die plötzlich auftauchte und berichtet habe, dass der Verstorbene ihr Vater war und sie zwei Jahre lang nicht gewusst habe, wo er abgeblieben sei. Von der Beisetzung habe sie zufällig und erst im letzten Moment gehört. Oder die Bekannte einer anderen Verstorbenen, die sich bis zuletzt um deren Hund gekümmert hatte. Ein kleines Tüchlein aus Kindheitstagen und ein Foto vom Hund habe sie in ihren Händen gehalten und darum gebeten, beides mit ins Urnengrab zu legen.
Über 250 solcher Beisetzungen hat es inzwischen gegeben. Klinikpfarrer Roth spricht von „zu Asche gewordenen Geschichten“, die häufig genug nicht mehr erzählt werden können. Doch er und die an-deren Beteiligten sind froh, sich damals mit der Stadt Hanau über diese Beisetzungsform verständigt zu haben. Ein Friedhofsmitarbeiter sieht es so: „Auch wenn man nichts über die Verstorbenen weiß, kann man ihnen jetzt etwas von dem zurückgeben, was sie zu Lebzeiten möglicherweise auch für unsere Gesellschaft geleistet haben.“

Artikel von Reinhold Schlitt

Erschienen im Hanauer Anzeiger am 06.05.2017

mid - eingestellt am 06.06.2017

Die Genehmigung zur Veröffentlichung auf www.kirchenkreis-hanau.de sowie den Internetseiten der Kirchenkreise im Sprengel Hanau und aus www.sprengel-hanau.de  durch den Journalisten Reinhold Schlitt und dem Hanauer Anzeiger liegen dem mid vor.