Tageslosung

Der HERR war mit Samuel und ließ keines von allen seinen Worten zur Erde fallen.
Paulus schreibt: Von euch aus ist erschollen das Wort des Herrn nicht allein in Makedonien und Achaia, sondern an allen Orten hat sich euer Glaube an Gott ausgebreitet, sodass es nicht nötig ist, dass wir darüber etwas sagen.

An der Haltestelle, an der Kasse, im Wartezimmer, in der Warteschleife am Telefon. Wir warten: auf den Feierabend, auf den Urlaub, auf Weihnachten. Wir warten: auf den Besuch eines lieben Menschen, auf das Ende der Traurigkeit, darauf, wieder gesund zu werden.
Warten nervt. Warten kann quälend sein, fast unerträglich. Aber warten gehört zum Leben. In unserer Zeit, in der alles in so rasantem Tempo geht - das Reisen, die Kommunikation, das Essen – fällt es uns zunehmend schwer, zu warten. Da rasten wir fast aus, wenn trotz langer Schlange an der Kasse der alte Herr beim Bezahlen mühsam die einzelnen Münzen aus dem Portemonnaie kramt. Oder wenn wir im Restaurant mal ein bisschen auf unser Essen warten müssen. Oder wenn der Zug Verspätung hat.
Das Wort „warten" hat den gleichen Wortursprung wie das Wort „Warte". Und „Warte" heißt: „Ort der Ausschau". Das gibt mir zu denken. Wartezeit wäre dann Zeit, um Ausschau zu halten. Um einen weiten Blick zu gewinnen. Oder wieder Übersicht zu bekommen. Oder mal einen ganz neuen Blickwinkel einzunehmen. Also könnte ich versuchen, statt ungeduldig auf das Vergehen der Zeit zu warten, mich bewusst auf den Moment einzulassen. Ich kann offen sein für das, was die Wartezeit mir schenkt. Ich muss sie nicht mit Betriebsamkeit und etwas vermeintlich Nützlichem füllen. Ich kann einfach da sein. Vielleicht mal bewusst atmen und meinen Körper spüren. Wahrnehmen, wie es um mich herum aussieht. Aus dem Fenster schauen und den Gedanken nachsinnen. Oder ein kleines Gespräch beginnen mit denen, die eventuell mit mir warten. Es spricht auch nichts dagegen, sich auf Wartezeit vorzubereiten, indem man ein Buch in der Tasche hat, für das doch sonst immer die Zeit fehlt.
Adventszeit ist für 2,3 Milliarden Christinnen und Christen weltweit Wartezeit. Wir warten darauf, dass Gott Mensch wird unter uns. Wir halten Ausschau nach dem, der kommen wird mit seiner Liebe und seinem Frieden: Jesus Christus. Wir überlegen, was er für unser Leben bedeutet. Wir leben jeden Moment ganz bewusst in der Vorfreude auf das Weihnachtsfest.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Advent.

Claudia Brinkmann-Weiß,
Dekanin im Kirchenkreis Hanau