Tageslosung

Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.
Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

In letzter Zeit flattert einem ganz schön viel Lutherwerbung ins (Pfarr-)Haus. Schon im Januar brachte kurzzeitig die Playmobilfigur Luther Höchstpreise bei Ebay und Berichterstattung im Radio. Jetzt gibt es Luthernudeln, Lutherkerzen, Einkaufschip und Socken, sogar „Luthers Pfaffentrunk hochprozentig“ mit speziell angefertigten Keramiktassen zum Flambieren desselben. Zugegeben manche Ideen sind nett, andere eher geschmacklos. Und immer wieder geht mir durch den Kopf, was Luther wohl zu diesem Devotionalienhandel gesagt hätte. Ich denke an seinen Spott über die Menge der Splitter von Jesu Kreuz in den Kirchen, die einen ganzen Wald gefüllt hätten und ich denke an seinen Ärger darüber, dass die Menschen ihre Hoffnung auf Dinge setzten, die zu nichts nütze sind, jedenfalls nicht dazu mit Gott in Kontakt zu treten. Nun ja, das wird auch heute niemand vom Lutherkaffeebecher erwarten. Vielleicht hätte Luther auch ein verschmitztes Lachen dafür übrig gehabt, welche Wege die Menschen heute gehen, um die Entdeckung der Reformation wieder ins Gespräch zu bringen. Vielleicht macht der unbefangene Umgang mit dem einst so großen Heiligen der Evangelischen Kirche ja sogar deutlich, dass er kein Heiliger war und ganz gewiss auch keiner sein wollte. Es wirkt ja schließlich nicht sonderlich ehrwürdig, sein Konterfei mit Tomatensoße zu übergießen, was man ja mit den entsprechenden Nudeln nun mal so macht. Vielleicht hätte es Martin Luther gefallen, von gutem Essen und Trinken hielt er jedenfalls viel und Humor hatte er auch. An seinem Tisch saßen in seinen Wittenberger Zeiten immer viele Menschen beieinander und diskutierten. Jeder sollte sich selbst ein Urteil bilden. Jeder sollte selbst die Bibel lesen können. Jeder Gläubige sollte ein Priester sein. Luthers Lehren haben die Kirche verändert. Er hat der Reformation ein Gesicht gegeben und darum lohnt es mit diesem Gesicht Werbung zu machen für das was sein Anliegen war, für die Freiheit eines Christenmenschen, für die Gnade Gottes die den Menschen gilt und für Christus als Richtschnur unseres Handelns. Ob wir dafür nun Einkaufchips, Cappucchinoschablonen oder einfach seine Worte nutzen, das bleibt uns überlassen.

Pfrin. Ines Fetzer