Tageslosung

Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt.
Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater!

„Nicht alles wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!“ Mit diesen Worten trösteten sich viele Menschen nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA. Und in der Tat: nach dem harten und grimmigen Wahlkampf sind die markantesten Wahlversprechen zum Glück schon wieder Schnee von gestern. Statt einer angekündigten Mauer zwischen Amerika und Mexiko wird vielleicht - wenn überhaupt - der Zaun verlängert. Die lautstark angekündigte massenhafte Ausweisung von Muslimen ist offenbar vom Tisch, noch bevor Trump sein Amt übernimmt. Im Wahlkampf drohte er seiner Rivalin Hillary Clinton damit, sie ins Gefängnis bringen zu wollen. Nach der Wahl würdigte er sie als eine „sehr starke und sehr gute“ Frau, eine „sehr gute Person“. Es wurde sehr heiß gekocht, aber vor dem Essen wird jetzt noch kräftig gepustet und wir dürfen auf weitere -hoffentlich besonnene - Abkühlung hoffen, wenn er dann in Amt und Würden ist. Mit Blick nicht nur auf Amerika, sondern auch auf Russland oder die Türkei, finde ich das Sprichwort sehr hilfreich und entlastend. Mit Blick auf Weihnachten wünsche ich es mir aber gerade jetzt - im Advent - genau anders herum: Wir „essen“ den Advent und die Weihnachtszeit mit all den Lichtern, den Leckereien, den Märkten und auch den besonderen Gottesdiensten ziemlich heiß, aber kochen wir denn auch die damit verbundene Verheißung vom Frieden? „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen“, so lautet der Monatsspruch für den Dezember aus dem 130. Psalm. Wer einmal Nachtwache gehalten hat, weiß, wie sehr man sich auf den Morgen freut, wenn man sich dann endlich aufwärmen und ausruhen kann. Gerade jetzt, wo die Politik der starken Männer auf dem Vormarsch scheint, können wir die Frieden stiftende Verheißung der Ankunft Gottes in der Welt gar nicht heiß genug kochen.

Pfarrer Jens Heller
Evangelische Kirchengemeinde Bischofsheim